Beruf: Spiele-Autor Das Ass im Ärmel

Spiele-Autor ist ein Traumberuf für leidenschaftliche Tüftler, doch nur wenige können davon leben. Es sei denn, sie landen einen Bestseller. Doch der muss das gewisse Extra haben.

Von Peter Seiffert

Wenn Klaus Paal spielt, führt er Buch. Er notiert in einer Tabelle, wie oft er sein neues Brettspiel "Galápagos" schon ausprobiert hat. Der letzte Eintrag trägt die Nummer 43. Paal vermerkt akribisch die Dauer jeder Runde, einmal sind es 72 Minuten, ein anderes Mal nur 31. Zwischen beiden Runden hat er die Spielregeln verändert, und auch das hat er fein säuberlich notiert. Klaus Paal, 50, arbeitsloser Informatiker, ist ein Spielefreak. Er will Spiele-Autor werden. Hauptberuflich. Das ist der Plan und ein Traum, den Paal mit vielen anderen Spiele-Erfindern teilt.

Der Spiele-Erfinder Klaus Paal mit dem von ihm entwickelten Spiel 'Galápagos'.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Dass sie diesen Traum verwirklichen können, ist allerdings unwahrscheinlich, der Weg dorthin für alle steinig. "Ich halte das für sehr schwierig", sagt Christian Beiersdorf, Mitglied im Vorstand der Spiele-Autoren-Zunft. Etwa 420 Mitglieder sind dort registriert, 60 Prozent haben bereits ein Spiel veröffentlicht - aber nur 20 bis 30 Spiele-Autoren können von dieser Arbeit auch leben, sagt Beiersdorf. "In den meisten Fällen geht es nicht ohne Nebenjob." Ausnahmen sind Stars der Szene wie Klaus Teuber, der Erfinder der "Siedler von Catan", oder Reiner Knizia ("Amun Re", "Euphrat und Tigris").

Die Spiele- und Puzzlebranche in Deutschland boomt: Im vergangenen Jahr steigerte sie ihren Umsatz um fünf Prozent auf mehr als 400 Millionen Euro, Kinderspiele legten sogar um 30 Prozent zu. Das ist zwar nur etwa ein Viertel des Umsatzes, den die Computerspiel-Branche im vergangenen Jahr erwirtschaftete, doch laut Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware sind dort die Umsätze zuletzt leicht zurückgegangen.

Bei den analogen Spielen machte 2009 allein Ravensburger einen Umsatz von mehr als 293 Millionen Euro, 77 Prozent davon mit Spielen, Puzzles und Kreativprodukten. Gewinn insgesamt: 34 Millionen Euro. Ravensburger beschäftigt 1400 Mitarbeiter, darunter Produktmanager, Innovationsmanager, Verpackungsmittelmechaniker. Auch Spiele- Redakteure gibt es, vergleichbar den Lektoren beim Buch - aber keine Autoren. Denn die arbeiten selbständig.

Wer es schafft, der schafft es richtig. Reiner Knizia hat mehr als 400 Spiele veröffentlicht, Klaus Paal nur ein einziges. 1998 war das. Noch heute sieht er die gelbe Schachtel von "Cheops" häufig auf Flohmärkten. Dutzende andere Spiele hat er in seinem Wohnzimmer erfunden. Ideen sammelt er auf Zetteln, die er in einer runden Box aufbewahrt, inzwischen sind es ein paar hundert Zettel. Auf einem steht "Williams S. 243". Tad Williams schreibt Fantasy-Bücher, und Paal ist Fantasy-Fan. Ideen zu neuen Spielen kommen ihm beim Lesen oder mitten in der Nacht. Dann steht er auf und notiert die Einfälle.

Bin ich der einzige Normale hier?

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