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Beruf Blogger:Jeder Klick ein bisschen Geld

Wer als Blogger Geld verdienen will, braucht ein gutes Thema - und Werbekunden. Dann kann man davon auch leben.

Ein Blog ist eine Art Tagebuch, in dem Menschen ihre privaten Gedanken und Gefühle auf einer Internetseite festhalten. Das Betreiben eines Blogs war ursprünglich ein Hobby; der Blogger freute sich, wenn ein paar Leute seine Aufzeichnungen interessiert verfolgten. Anfangs machte das den Charme der Bloggerszene aus: Unabhängig von den etablierten Medien gab es plötzlich einen neuen Weg, seine Meinung ins Netz zu stellen.

Blog Beruf

Die Themenvielfalt für Blogger ist groß. Um nicht mit Urheberrechten in Konflikt zu kommen, machen viele von ihnen die Fotos selbst.

(Foto: Foto: AFP)

Je interaktiver, desto besser

Auch wenn zahllose Online-Tagebücher gerade in den USA zu unverdaulichem Geplapper zu werden drohen, sind sie grundsätzlich ein zeitgemäßes Instrumentarium der Meinungsbildung und Verständigung. Und ein interaktives Medium dazu, dessen Methoden zunehmend in die Online-Auftritte der klassischen Medien Einzug halten, etwa durch die Kommentarfunktion.

Ein Blog ist ein ausgesprochen interaktives Medium: Je mehr Interaktion dort stattfindet, desto glaubwürdiger wird es. Und es gewinnt dadurch in der Gunst der Werbekunden. Mit dem Boom der Online-Werbung in den letzten Jahren wurden auch Blogs interessant für Vermarkter, vor allem jene mit hohen Zugriffszahlen. In den USA ist das Bloggen bereits zum Beruf geworden: Manche Blogger haben sich zu Netzwerken oder Verlagen zusammengeschlossen und verdienen mehrere Tausend Dollar pro Tag.

Konkurrenz zu Hochglanz

Als Anna Wintour, die mächtige Chefredakteurin des amerikanischen Vogue- Magazins, kürzlich junge Mode-Blogger angriff, wurde klar: Blogs haben sich längst zu ernstzunehmenden Konkurrenten der Hochglanzmagazine entwickelt - auch im Hinblick auf deren Werbeeinnahmen. In Deutschland ist es bislang nur wenigen Bloggern gelungen, mit ihren Beiträgen einträgliche Summen zu erwirtschaften - so wie Robert Basic, der einflussreichste deutsche Blogger, der Anfang 2009 sein Blog "Basic Thinking" für 46.902 Euro bei Ebay versteigerte.

Welche Möglichkeiten, Geld mit seinem Blog zu verdienen, gibt es? Weit verbreitet, auch wegen der automatisierten Handhabung, sind die Google-Ads: kontextabhängig eingeblendete Werbelinks. Bezahlt wird, wenn Leser darauf klicken, und das lohnt sich erst bei mehreren Hundert Besuchern täglich. Die meisten Deutschen haben deutlich weniger Klicks. In den USA verdienen Blogger mit ihrer Schreibe hingegen eine Handvoll Dollar pro Tausend Einblendungen.

Kauffreudige Kunden

Eine andere Möglichkeit sind Affiliate-Programme, also Provisionsmodelle, bei denen Werbebanner beispielsweise von Webshops eingeblendet werden. Bei ihnen hängt der Erfolg aber weniger von den Besucherzahlen als von der Bereitschaft der Leser ab, die Banner aufzurufen und im beworbenen Shop etwas zu kaufen. Für den Website-Betreiber fallen dann einige Prozente vom Kaufpreis ab. Meist sind die Provisionen aber noch magerer als bei Google AdSense.

Immer beliebter werden außerdem Textlinks. Dabei platzieren die Werbeanbieter einfache Links auf einem bestimmten Wort im Blog, meist eingebettet im Text. Der Trick dabei besteht aber für viele Anbieter darin, auf diese Weise Werbung als redaktionellen Link zu tarnen. Ein seriöser Blogger sollte solche bezahlten Links jedoch immer als Werbung kennzeichnen.

Unerotische Berufe

Kein Metzger im Bett

Voraussetzungen

Als Blogger kann man sofort loslegen. Man sollte sich allerdings in seinem Gebiet gut auskennen, über eine breite Allgemeinbildung, eine flotte Schreibe und eine gewisse Technik-Affinität verfügen: Zwar gibt es Anbieter von "Fertigblogs" sowie selbst gehostete Blogsysteme mit vorgefertigten Layouts. Wer aber wirklich professionell bloggen will, kommt um Anpassungen nicht herum. Außerdem sollte man sich ausgiebig mit dem Presse- und Urheberrecht befassen: Viele Hobby-Blogger wissen nicht, dass Fotos oder Texte anderer Blogs urheberrechtlich geschützt sind und nicht einfach so übernommen werden dürfen. Auch mit dem Telemediengesetz und dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb sollte man sich befassen, damit man Unterschiede zwischen redaktionellen Links und Werbelinks kennt.

Formalitäten

Als Blogger, der nur Texte verfasst und für diese Texte Geld bekommt, ist man freiberuflich tätig. Das bedeutet, man benötigt eine Steuernummer beim Finanzamt. Eine Gewerbeanmeldung ist dagegen nicht erforderlich. Aber man sollte sich über die Künstlersozialkasse versichern, sofern Bloggen der Hauptberuf ist und man damit mehr als 3900 Euro im Jahr verdient. Sobald der Blog sich jedoch durch Werbeeinnahmen finanziert, kann es sein, dass man vom Finanzamt als Gewerbetreibender eingestuft wird. Man sollte also unbedingt vorab mit dem Finanzamt sprechen. In diesem Fall kann es ein Problem sein, der Künstlersozialkasse beizutreten.

Chancen

Während es in den USA zahlreiche hauptberufliche Blogger gibt, ist Bloggen in Deutschland nach wie vor eher eine Nebenbeschäftigung. Ob ein Blog kommerziellen Erfolg hat, hängt von seinen Inhalten ab. Brandneue Technologien sind immer ein gutes Thema, Rechtsthemen könnten ebenfalls interessant sein. Für vernachlässigt hält Davis außerdem Finanzthemen. Ebenfalls eine Chance: professionelles Cooperate-Blogging. Denn immer mehr Firmen erkennen den Wert von Blogs als Marketinginstrument haben, und suchen nach professionellen Bloggern, die mit den Kunden kommunizieren können.

Mehr Informationen bietet der Ratgeber "30 Chancen für Existenzgründer - Geschäftsfelder mit Zukunft", Redline Verlag, 17,90 Euro.

© SZ vom 15.5.2010/holz
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