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Ausbildungsreport des DGB:Viel zu verlieren

Mehr Engagement für Gleichstellung

Auffällig in der DGB-Studie sind die Differenzen zwischen großen und kleinen Unternehmen. "Für den Aspekt Überstunden lässt sich das beispielsweise auf die Formel bringen: Je größer der Betrieb, desto weniger Überstunden für Azubis", sagte Sehrbrock. 42 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig Mehrarbeit leisten zu müssen, bei mehr als zwei Dritteln bezahlt in Form von zusätzlicher Freizeit oder Geld. Aber vor allem in Kleinbetrieben wie etwa in Friseurläden oder Zahnarztpraxen, in denen wiederum häufig Frauen eine Lehrstelle erhalten, besteht offenbar die Gefahr, dass es für die Überstunden keinen Ausgleich gibt. "Die Arbeit lastet auf wenigen Schultern und eine Dienstleistung muss auch dann erbracht werden, wenn eine Kollegin krank ist oder Urlaub hat", sagte die DGB-Vizechefin.

Sehrbrock forderte die Bundesregierung auf, sich mehr für das Thema Gleichstellung zu engagieren. Frauen dürften nicht länger dafür bestraft werden, "dass sie Dienstleistungen erbringen, Menschen pflegen oder beruflich Kinder erziehen. Warum sollte die Arbeit eines Elektronikers mehr wert sein als die Arbeit einer medizinischen Fachangestellten?", sagte sie. Es reiche nicht aus, auf eine gestiegene Frauenerwerbsquote zu verwiesen. Diese sei vor allem auf mehr Teilzeitarbeit zurückzuführen, wovon aber ein großer Teil unfreiwillig erfolge.

DGB-Jugendsekretär René Rudolf sagte, die Industrie- und Handelskammern müssten systematischer Ausbildungsbetriebe kontrollieren, auch ohne sich vorher anzumelden. Die Kammern befinden sich jedoch in einer Zwickmühle: Sie sollen für mehr Ausbildungsplätze werben, da könnten Kontrollen eher störend sein. Außerdem fehlt das Personal, um Misstände in Betrieben aufzudecken und zu bekämpfen. Die Lehrlinge selbst, die sich im Internet auch an den DGB wenden können (www.doktor-azubi.de), scheuen sich oft davor, sich zu beschweren. "Sie haben viel zu verlieren und lassen deshalb auch viel über sich ergehen", sagte Sehrbrock.