Ausbildung für die EU Brügge sehen - und studieren

Austausch mit anderen Nationalitäten

Fachlich unterscheiden sich die Studenten jedoch gar nicht so sehr, meint Mahncke. Alle seien sehr motiviert: "Die Deutschen hängen am wenigsten zusammen und tauschen sich mit anderen Nationalitäten am meisten aus, können sich schnell anpassen." Mahncke war einst Redenschreiber von Bundespräsident Karl Carstens und kennt den Politikbetrieb aus langjähriger Praxis. Am Kolleg ist er unter den 150 Gastprofessoren und Dozenten eine Ausnahme, weil er einen der wenigen Lehrstühle innehat.

Dieses System der "Flying Faculty" hebt sich von Lehrinstitutionen mit ähnlichen Aufbaustudiengängen ab: Die Gründer des College of Europe legten 1949 Wert darauf, zuerst ein Programm zu entwickeln und dann nach den besten Leuten zu suchen. So können ständig neue Lehrkräfte aus Wissenschaft und Praxis gewonnen werden.

Für die Arbeit bei der Europäischen Kommission, der Nato und bei Verbänden bietet das College eine gute Ausbildung und beste Kontakte. Die Hälfte der Absolventen findet sich in Brüssel wieder. Doch ein Abschluss aus Brügge ist keine Garantie für eine EU-Karriere. Viele deutsche Absolventen wurden für ein Praktikum bei der Kommission in Brüssel abgelehnt. Zu hoch ist dort schon die Zahl der Mitarbeiter aus den europäischen Gründungsländern. Durch die EU-Osterweiterung sind die Chancen für Bewerber aus den neuen Mitgliedstaaten wesentlich höher.

Belgisches Bier

Christoph Linden vom Netzwerk für europäische Bewegung empfiehlt, auch bei Think Tanks oder Landesvertretungen anzuheuern. Der Verein repräsentiert Interessengruppen wie Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Wissenschaftliche Institute, Stiftungen oder Parteien im Bereich Europapolitik; außerdem organisiert er das Bewerbungsverfahren für die Aufnahme am Europakolleg.

Auch das Alumni-Netzwerk und reger Kontakt zu den Kommilitonen können sich bezahlt machen. Jeden Donnerstag werden in der Bar des Wohnheims bei belgischem Bier Pläne geschmiedet - und Allianzen. Die Hälfte der Absolventen trifft sich später in der Arbeitswelt der EU wieder. Ein Viertel, so ein hartnäckiges Gerücht, sogar in einer Ehe.