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Ausbau des Elterngelds gescheitert:Mehr Mut, Frau Schröder!

Familienministerin Kristina Schröder gibt den Plan auf, Männer durch Elterngeld zu aktiveren Vätern zu machen. Aber Deutschland braucht mehr Vätermonate - und eine Familienministerin, die sie durchsetzt. Es gäbe eine einfache Lösung.

Mut beflügelt die Politik. Als die unerfahrene Ursula von der Leyen im Jahr 2005 Familienministerin wurde, lag auf ihrem Tisch ein Plan der Vorgängerin. Deutschland brauche ein Elterngeld, das die Familien nach der Geburt eines Babys bekommen sollten. Ein Monat war für die Väter vorgesehen, was Ursula von der Leyen mutig korrigierte: Zwei Monate bezahlte Auszeit wollte sie den Vätern anbieten. Ein Wagnis, bei dem sich viele fragten, ob die Gesellschaft das vielleicht überzogen fände. Ein Wagnis, das zum ersten großen Erfolg Ursula von der Leyens wurde. Insgesamt 14 Monate Elterngeld setzte sie durch.

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Kristina Schröder hat den Plan, das Elterngeld auszubauen, aufgegeben.

(Foto: dapd)

Mutlosigkeit lähmt die Politik. Als die unerfahrene Kristina Schröder im Jahr 2009 Familienministerin wurde, lag auch auf ihrem Schreibtisch ein Plan der Vorgängerin. Deutschland brauche mehr Vätermonate; statt zwei sollten es vier sein - das Elterngeld würde also 16 statt 14 Monate lang gezahlt. Sogar der Koalitionsvertrag kündigte so etwas an. Denn das anfangs bekämpfte "Wickelvolontariat" hatte sich zum Erfolgsmodell entwickelt: Immer mehr Männer ließen sich darauf ein, nach der Geburt ihres Kindes kurz aus dem Job auszusteigen.

Doch was tut Kristina Schröder? Mutlos gibt sie den Plan auf, Männer mit dem Elterngeld zu aktiveren Vätern zu machen. Begründung: Das Geld fehlt. Erst wenn der Finanzminister eines Tages mehr ausgeben kann, möchte Schröder über mehr Vätermonate nachdenken.

Wann das sein wird, ist klar: nie. Denn der Sozialstaat hat im Jahrzehnt der Schuldenbremse wenig zu verteilen. Neue Milliardenangebote des Wohlfahrtsstaates wird künftig vielleicht die Linkspartei verlangen - Realisten müssen damit leben, dass die Zeit der generösen Sozialprogramme vorbei ist.

Deshalb spricht vieles für eine Reform der Vätermonate, die gleichzeitig sparsam und intelligent wäre: Man belässt es zwar bei 14 Monaten, teilt den Zeitraum aber nicht in zwölf (meist für die Mutter) und zwei (meist für den Vater) auf, sondern in elf plus drei. Das kostet den Staat nicht mehr Geld; es zwingt auch keinen Mann an den Wickeltisch. Aber es lockt diejenigen, die vielleicht bisher zu vorsichtig sind, um die Baby-Auszeit bei ihrem Chef einzufordern. Es wäre ein kleiner Schubs für die Männer, dem jeder Einzelne natürlich widerstehen könnte.

Dieser Schubs würde zur "Männerpolitik" passen, die Kristina Schröder zu betreiben behauptet. Sie sagt gern, dass sie nicht nur für Frauenrechte kämpft, sondern auch Männern ein Leben jenseits typischer Vollzeitjobs nahebringen möchte. Dagegen ist wenig einzuwenden. Traditionelle Männlichkeitsideale machen es Jungs nicht leicht, im 21. Jahrhundert ein zufriedenes Leben zu führen: Wenn sich Frauen nicht mit "Kinder, Küche, Kirche" begnügen, sinkt die Attraktivität von Männern, die allein auf Kraft und Karriere setzen. Bloß: Eine Ministerin, die das verstanden hat, sollte danach handeln. Beim Elterngeld hatte Schröder eine Chance - und hat sie nicht genutzt.

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