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Aufstieg im Unternehmen:Männer kämpfen anders

Doch häufig laufen Machtkämpfe auch viel unterschwelliger ab. Etwa indem ein Kollege ständig am anderen rumnörgelt oder ihm wichtige Informationen vorenthält. Die Frage, ab wann die Mittel in einem Machtkampf nicht mehr legitim sind, sei schwierig zu beantworten, sagt Michalik. "Die Grenzen sind da fließend." Wie weit man die Ellbogen ausfahren darf, ohne negativ aufzufallen, hänge ganz stark von der Unternehmenskultur ab.

Unter Kollegen: Blender im Büro

Gut geblufft ist halb befördert

Wer den Eindruck habe, zum Opfer solcher Machtspiele zu werden, dürfe das nicht einfach tatenlos hinnehmen, mahnt Michalik. Als erstes müsse man die Situation analysieren und überlegen, welche Ziele der Kollege verfolgt. "Dann kann man ihn beiseite nehmen und sagen: 'Ich weiß, was Du vorhast, und ich werde zurückschlagen.'" Allerdings müsse man dann auch wirklich bereit sein, den Kampf aufzunehmen - denn eine hohle Drohung könne zum Eigentor werden.

Viele Menschen führten solche Machtkämpfe fast schon spielerisch nebenbei. "Aber wenn einem das nicht so leicht fällt, muss man sich entsprechende Strategien überlegen", betont Michalik. Vor allem Frauen hätten häufig eine Scheu, sich bei Machtkämpfen an ihrem Arbeitsplatz zu beteiligen, sagt Cornils. "Frauen befinden sich in dem Dilemma, dass, wenn sie Macht bejahen, das gleichzeitig bedeuten kann, von der sozialen Umwelt die Identität als Frau abgesprochen zu bekommen." Eine Frau, die im Konkurrenzkampf mit ihren Kollegen machtbewusst agiere, stehe schnell als "Mann-Weib" da.

"Frauen und Männer haben einfach unterschiedliche Wertesysteme", sagt Hof-Glatz. "Männer haben kein Problem, zu sagen: Ich will die Nummer eins sein, ich will mich durchsetzen, selbst wenn ich bei den Kollegen dann erstmal nicht mehr so gut gelitten bin." Frauen hätten eher die Prioritäten, beliebt zu sein und in einem harmonischen Umfeld zu arbeiten. "Solche Werte passen nicht zu einem Machtkampf."

Trotzdem hätten karrierebewusste Frauen gar keine andere Wahl, als mitzukämpfen. "Ohne Macht ist nichts zu machen", sagt Hof-Glatz. "Das Berufsleben ist eben traditionell männliches Terrain, und das hat die Kultur geprägt." Allerdings müsse das ja nicht immer so bleiben. "Wenn sich Frauen einmal durchgesetzt haben, dann haben sie auch die Gestaltungsfreiheit, die Machtkultur anders zu gestalten."

Auch wer es einmal zum Chef gebracht hat, sollte sich seiner Position nicht zu sicher sein, mahnt Karriereberaterin Regina Michalik. "Gerade Menschen, die eine Machtposition haben, vergessen schnell, ihre Netzwerke zu pflegen und ihre Gegner permanent zu beobachten." Dabei sei Machtkompetenz nicht nur wichtig, um auf der Karriere-Leiter nach oben zu steigen. Auch um zu verhindern, dass jemand am eigenen Stuhl sägt, gehe es nicht ohne Machtbewusstsein.