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Aufstieg dank Beziehungen:Vorteile für Selbständige

Freiberufler sind in Studentenverbindungen traditionell stark vertreten. "Selbständige greifen gern auf Leute zurück, die sie aus ihrer Verbindung kennen - zum Beispiel Rechtsanwälte, die einen Partner für ihre Kanzlei suchen", sagt Wolfgang Braun vom Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen. In einem Großunternehmen sei das nicht so einfach: "Die alte Vitamin-B-Theorie funktioniert nicht mehr, so etwas kann sich ein angestellter Manager gar nicht leisten." Die Studenten würden aber in jedem Fall von der Erfahrung und dem Rat der berufstätigen Alten Herren profitieren.

Albrecht Fehlig, Sprecher der corpsstudentischen Verbände, hält es für noch wichtiger, dass die Corpsmitglieder in einer selbstverwalteten Organisation Verantwortung tragen: "Corps sind vergleichsweise klein, da muss jeder mal eine Aufgabe übernehmen. Das trainiert Redegewandtheit, Führungsfähigkeit und Durchsetzungsstärke."

Fast alle Verbindungen schließen Frauen nach wie vor aus, nehmen aber fast jeden männlichen Bewerber mit Kusshand auf. Service Clubs wie die Rotarier sind dagegen exklusiv: Sie fordern nur beruflich erfolgreiche Menschen auf, bei ihnen Mitglied zu werden. Trotzdem solle man sich von den Club-Kontakten nicht zu viel versprechen, warnt der Headhunter Heiner Thorborg, der seit Jahrzehnten bei den Frankfurter Rotariern Mitglied ist. "Man bekommt Zugang zu den besten Ärzten und Anwälten. Aber beruflich habe ich Rotary noch nie genutzt."

Viele Clubs seien vergreist, Alumnivereinigungen als berufsfördernde Netzwerke sehr viel zweckmäßiger. "Ich glaube, dass die Clubs als Karrierenetzwerk völlig überschätzt werden", meint auch der Soziologe Sebastian Gradinger, Autor einer Studie über die gesellschaftliche Funktion von Service Clubs. "Der hohe Zeitaufwand für soziale Projekte, Reisen und die wöchentlichen Treffen stehen in überhaupt keinem Verhältnis zu einem möglichen beruflichen Nutzen." Immerhin könnten vor allem Jüngere bei den Treffen mit anderen Clubmitgliedern einiges lernen: "Ich habe beispielsweise wertvolle Impulse zum Thema Personalführung mitnehmen können."

Für Studenten und Berufseinsteiger können unter Umständen die Jugendorganisationen der Service Clubs nützlich sein, die allen Interessierten zwischen 18 und 30 Jahren offenstehen. "Lernen - helfen - feiern" ist beispielsweise das Motto der mehr als 160 deutschen Rotaract-Clubs, des Nachwuchsvereins der Rotarier. Neben der karitativen Arbeit organisieren die Clubs Vorträge, Seminare oder Betriebsbesichtigungen und pflegen Kontakte zu den örtlichen Rotariern. "Im einen oder anderen Fall ergibt sich bestimmt ein Praktikum oder der Berufseinstieg - aber auch nur, wenn man sich bei der Arbeit für den Club besonders auszeichnet", sagt Constanze Abendroth, Vorsitzende von Rotaract Deutschland. "Wer nur beruflich weiterkommen will, sollte nicht zu uns kommen."

© SZ vom 05.11.2011/tina

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