Arbeitszeugnis für Praktikanten "Am Kopierer war er äußerst geschickt"

Klage vor dem Arbeitsgericht

Werde das im Vorhinein nicht gewährt, sei ohnehin Vorsicht angebracht: "Dann sollte sich jeder überlegen, ob das tatsächlich ein Praktikum ist, das es zu absolvieren lohnt." Bei seriösen Arbeitgebern jedenfalls sei der Arbeitsvertrag kein Problem. "Sie haben schließlich auch kein Interesse daran, schlecht dazustehen."

Selbst wenn das Praktikum lehrreich war und die Kollegen nett und hilfsbereit, kann es nach Abschluss der vereinbarten Arbeitszeit Ärger geben. Einige Arbeitgeber weigern sich, ein Zeugnis auszustellen, weil sie den Aufwand scheuen. "In einem solchen Fall kann der Praktikant die Zeugniserteilung vor dem Arbeitsgericht einklagen", sagt Ruby-Dormann. Bei speziellen, etwa während des Studiums verlangten Praktika bestünden oft noch besondere Vorschriften, die zu beachten seien.

Eines sollte jeder Praktikant zudem mit Vorsicht angehen - auch wenn das Angebot noch so verlockend klingt: "Kein Praktikant sollte sich das Zeugnis selbst schreiben", sagt Rechtsanwalt Michael Felser aus Brühl. "Das erkennt ein erfahrener Personaler sofort." Zudem falle es vielen schwer, eine treffende Einschätzung ihrer eigenen Arbeit zu Papier zu bringen.

"Gerade für einen Praktikanten kann so ein Zeugnis die Eintrittskarte ins Berufsleben sein - daher sollte es sehr gut und richtig sein", sagt er. Er empfiehlt, der Personalabteilung eine Beschreibung der Aufgaben zu liefern, mit denen der Praktikant betraut war. Darin könne er auch Beispiele für Arbeiten nennen, die seiner Meinung nach besonders gelungen seien. "Aber er sollte niemals einen Entwurf liefern", so der Anwalt.

Erfahrener Ghostwriter

Sei die Personalabteilung nicht willig, ein angemessenes Zeugnis zu verfassen, lohne mitunter der Gang zu einem erfahrenen Ghostwriter. "Dann sollte man ein bisschen Geld in die Hand nehmen und zu einem Profi gehen."

Zeigt sich der Arbeitgeber genervt und verfasst ein Zeugnis, das der Wahrheit nicht entspricht und dem weiteren Berufsweg eines Studierenden oder Absolventen gar hinderlich sein kann, muss auch das kein Praktikant hinnehmen, sagt Anwältin Ruby-Dormann. "Er hat die gleichen Möglichkeiten wie ein normaler Arbeitnehmer und kann vor dem Arbeitsgericht auf Zeugnisberichtigung klagen."