Änderungen im Arbeitszeugnis Keine Einser-Garantie

Ob im Arbeitszeugnis "zu unserer Zufriedenheit" oder "zu unserer vollsten Zufriedenheit" steht, kann die Karriere entscheidend beeinflussen. Wer mit der Wortwahl nicht zufrieden ist, hat jedoch schlechte Karten.

Ein Arbeitnehmer hat nicht automatisch Anspruch auf ein Zeugnis, dass einer guten oder sehr guten Note entspricht: Ein Arbeitgeber hatte seinem Angestellten ein Arbeitszeugnis mit der Gesamtbewertung "stets zu unserer Zufriedenheit" ausgestellt. Dagegen klagte der Arbeitnehmer. Er forderte eine Verbesserung der Benotung in ein "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit", da er der Meinung war, durchgängig sehr gute Leistungen erbracht zu haben. Als Beweis legte er "Bescheinigungen" ehemaliger Mitarbeiter vor, die seine gute Arbeitsleistung dokumentieren sollten.

Die Richter am Arbeitsgericht Kassel wiesen die Klage ab. Zur Begründung hieß es, dass es keinen Anspruch auf ein gutes oder sehr gutes Zeugnis gebe, sondern nur auf ein leistungsgerechtes. Der Arbeitnehmer müsse überzeugend begründen, warum eine überdurchschnittliche Beurteilung angemessen sei. Er habe nachzuweisen, dass seine Arbeitsleistung kontinuierlich oder mindestens überwiegend eine "nicht mehr steigerungsfähige Bestleistung" dargestellt habe, die der Arbeitgeber trotz Ermessensspielraum nicht ignorieren könne. Die "Bescheinigungen" früherer Mitarbeiter seien hierfür untauglich - eine solche Beurteilung stehe wie die Erteilung eines Zeugnisses allein dem Arbeitgeber zu (AG Kassel, Urteil vom 3. Mai 2006 - AZ: 8 Ca 499/05).

Verjährung nach drei Jahren

Des weiteren können Arbeitnehmer nicht noch Jahre später auf einem Arbeitszeugnis bestehen, wenn sie sich vorher nicht darum gekümmert haben. Der Anspruch darauf verjährt üblicherweise nach drei Jahren. So lange können die Betreffenden allerdings darauf bestehen, dass ihr früherer Arbeitgeber es ihnen ausstellt, sagte der Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Eckert aus Heidelberg. "Arbeitnehmer erhalten es aber nicht automatisch, sondern auf Verlangen."

Theoretisch ist der Zeugnisanspruch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses sofort fällig. In der Praxis ist das allerdings kaum realistisch, weil zunächst noch Informationen zusammengetragen werden müssen. Lässt sich der Arbeitgeber dafür zwei, drei Wochen Zeit, sei das noch völlig im Rahmen. Wenn es länger als drei oder vier Wochen dauert, bis das Zeugnis fertig wird, könne der Arbeitnehmer allerdings darauf bestehen, dass der Arbeitgeber sich nicht noch mehr Zeit lässt. "Er könnte dann auch vor Gericht ziehen und das Arbeitszeugnis einklagen", erläuterte Eckert.

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