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Arbeitszeit bei Goldman Sachs:17 Stunden täglich reichen

Goldman Sachs will im Turbo-Wertpapierhandel angreifen

Treusorgender Arbeitgeber: Goldman Sachs.

(Foto: Justin Lane/dpa)
  • US-Investmentbanker Goldman Sachs hält seine Praktikanten in einer neuen Richtlinie dazu an, zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens nicht zu arbeiten.
  • Wenngleich die Arbeitszeiten und -belastungen unter Bankern noch immer immens sind, so versuchen die Großbanken doch seit Jahren, ihre Angestellten zu mehr Freizeit zu zwingen.

Freizeit von null bis sieben Uhr

Im deutschen Arbeitszeitgesetz steht unmissverständlich:

"Nach Feierabend besteht (für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer; Anm. d. Red.) Anspruch auf eine ununterbrochene Ruhezeit von elf Stunden. Und: Niemand darf länger als sechs Stunden ohne Ruhepause arbeiten."

Zudem dürfen deutsche Arbeitnehmer per Gesetz täglich maximal zehn Stunden arbeiten, und auch das nur über einen begrenzten Zeitraum. Daraus ergibt sich selbst für die größten Workaholics eine Wochenarbeitszeit - wenn man von einer Fünf-Tage-Woche ausgeht - von maximal 50 Stunden. Mittags-, Kaffee und Plauderpausen inklusive. Da für den gemeinen Nachwuchs-Wall-Street-Banker eine 50-Stunden-Woche bestenfalls im Traum vorkommt, hat Goldman Sachs für seine Praktikanten nun eine neue Richtlinie ausgegeben: Zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens hat sich niemand im Büro aufzuhalten.

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Ein Sprecher des Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmens hat einen entsprechenden Bericht von Reuters nun bestätigt. Von der neuen Vorgabe betroffen ist nicht nur eine Handvoll Hospitanten. Laut Washington Post absolvieren in den Sommermonaten etwa 2900 Menschen ein Praktikum bei Goldman Sachs; vorwiegend College-Studenten und Schüler der Business Schools.

US-Banken bemühen sich um geringere Arbeitszeit - ein bisschen

All jene dürfen sich in der Welt der 100-Stunden-Wochen und durchgearbeiteten Nächte also auf ein wenig von ganz oben gewünschte Freizeit freuen. Überraschend kommt der Schritt nicht. US-Banker unternehmen seit einigen Jahren Versuche, die Arbeitszeit ihrer Angestellten zu verkürzen.

Nach dem plötzlichen Tod eines Praktikanten der Bank of America im Jahr 2013 - später stellte sich heraus, dass dies wohl nicht direkt mit der hohen Arbeitsbelastung zusammenhing - forderte Goldman Sachs selbst seine Nachwuchs-Banker auf, die Samstage frei zu nehmen. Idealerweise sollten die Mitarbeiter von Freitag, 21 Uhr, bis Sonntag, 9 Uhr, ihre Freizeit genießen. Zur gleichen Zeit kommunizierte die Bank of America in Richtung ihrer Angestellten, doch bitte wenigstens an vier Wochenendtagen pro Monat nicht im Büro aufzutauchen.

Wobei man natürlich, wenn es denn Vorgaben wie die neue "Mitternacht-bis-sieben-Uhr"-Regel von Goldman Sachs braucht, fragen muss: Läuft nicht vielleicht etwas grundsätzlich falsch, wenn die Arbeitsbelastung so hoch ist, dass die Leute nach einem 17-Stunden-Tag aus dem Büro hinausgezwungen werden müssen? Wendete man die Vorgabe übrigens auf eine - in Investmentbanker-Kreisen wohl fiktive - Fünf-Tage-Woche an, bliebe immer noch eine Arbeitszeit von 85 Stunden.

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