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Arbeitswelt:"Oft rutschen Frauen in die Armut ab"

Und was ist, wenn man sich dazu entscheidet, als Hausfrau beim Kind zu bleiben?

Das ist eine persönliche Entscheidung, die aber durchaus eine gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Dimension hat. Das traditionelle Modell geht spätestens dann nicht mehr auf, wenn eine grundlegende Änderung eintritt. Das Leben läuft oft anders ab, als man denkt. Frauen, die ihre Berufstätigkeit stark einschränken oder beenden, wenn sie Mutter werden, rutschen nach einer Scheidung oft in die Armut ab. Das aktuelle Familienrecht sieht vor, dass im Falle einer Scheidung Müttern von Kindern ab drei Jahren kein Unterhalt mehr zusteht, der Gesetzgeber geht davon aus, dass sie eigenständig für sich sorgen.

Darüber hinaus sollten die Frauen unbedingt auch ihre Altersvorsorge und Rente im Blick haben. Den geschlechtsbedingten aktuellen Rentenunterschied von durchschnittlich 60 Prozent zwischen Frauen und Männern thematisieren wir auch in unserem 2014 ins Leben gerufenen Aktionstag "Equal Pension Day".

Wie kann man als Paar versuchen, Gleichberechtigung zu leben?

Das Paar sollte von Anfang an darüber reden, wie es sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Aufgabenteilung vorstellt - und zwar schon dann, wenn der Kinderwunsch zum ersten Mal aufkommt. Ist ein Kind unterwegs, dann sollte das Paar ganz konkret die Aufteilung nach der Geburt des Kindes untereinander verbindlich abmachen. Ein Partnerschaftsvertrag kann dabei durchaus sinnvoll sein. Auf die vereinbarten Punkte sollte man danach auch bestehen. Was unsere politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angeht, sind wir von einer egalitären Partnerschaft noch weit entfernt.

Für Kinder, die ab dem 1. Juli 2015 geboren werden, können Eltern das neue, deutlich flexiblere ElterngeldPlus beantragen.

Das ist schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Darüber hinaus kann ich eine in sich stimmige Familienpolitik nicht erkennen. Es gibt mehr als 150 Maßnahmen, die sich zum Teil widersprechen: das Ehegattensplitting, die beitragsfreie Mitversicherung des Ehepartners, das Betreuungsgeld, Kindergeld, Elterngeld, die geförderten Teilzeit-Regelungen und vieles mehr. 200 Milliarden Euro werden dafür jedes Jahr ausgegeben.

Doch nach wie vor fehlen Akzeptanz und Unterstützung für andere Formen der Betreuung von Kindern oder zu pflegenden Angehörigen. Daher ist es wichtig, dass Frauen selbstbestimmter agieren und klar kommunizieren. Egal ob mit dem Partner oder mit dem Chef: Nur wer etwas sagt, kann auch gehört werden.

Der Verband berufstätiger Mütter setzt sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Dafür bietet der Verband mit Sitz in Köln Beratung, Weiterbildung und informiert zu Themen wie Gesetzgebung, politische Initiativen, gesellschaftliche Entwicklungen und Betreuungsproblematik.

© SZ.de/mkoh/liv
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