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Arbeitswelt:"Elternzeit sollte kein völliger Rückzug sein"

Wer Kinder und Beruf will, muss sich rechtzeitig über seine Wünsche klar werden. Rät Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter. Schon bei der Partnerwahl sei eine wichtige Entscheidung zu treffen.

SZ.de: Frau Spachtholz, wie findet eine Frau nach der Babypause wieder den Weg zurück ins Arbeitsleben?

Cornelia Spachtholz: Der Rückweg beginnt schon lange vor dem Moment, an dem man wieder in den Job einsteigt. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle: Wie lange hat die Frau vorher gearbeitet? Welchen Aufstieg hat sie in der Zeit gemacht? Wie lange war die Elternzeit, inwiefern wurde sie aktiv genutzt und wurde für die Zeit danach mit dem Chef vereinbart? Und nicht zuletzt: Wie vernetzt ist die Frau im Job, wie viel Unterstützung erfährt sie von ihrer direkten Umgebung, also von der Familie, vom Partner oder dem anderen Elternteil?

Beginnen wir mit dem Thema "Elternzeit": Wie lange dauert die idealerweise?

Das muss jede Frau selbst wissen. Natürlich hängt das auch vom Kind ab. Meine Empfehlung ist: so lange wie nötig, so kurz wie möglich. Ideal ist, die Elternzeit etwa für eine Weiterbildung zu nutzen, oder auch schon wieder in Teilzeit zu arbeiten. Es wäre schön, wenn wir irgendwann gar nicht mehr von "Wiedereinstieg", dem ein "Ausstieg" vorangeht, sprechen müssten, weil Mutterrolle und Job Hand in Hand gehen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg.

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Was können Frauen also tun?

Ganz generell sage ich: Frauen, schaut nach vorne! Es bringt nichts, abzuwarten und die Elternzeit in völligem Rückzug von der Arbeitswelt zu leben. Wer Kinder und Beruf unter einen Hut bringen möchte, muss auch beides von Anfang an gemeinsam denken - sowohl bei der Partnerschaft als auch bei der Berufs- und Arbeitgeberwahl. Dazu gehört erst einmal, sich grundsätzlich zu überlegen, welche Laufbahn man anstrebt.

Wenn die Frau weiß, welche Tätigkeit und Position sie anstrebt, muss sie daraus ableiten, wie sie ihre Familien- und Karriereplanung am besten angeht. Wichtig ist, dass sie sich bewusst macht, wie sie ihr Leben leben möchte und nicht unüberlegt von einer Situation in die nächste stolpert. Wichtig ist auch, einen Plan B zu haben und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Frauen haben oft die Tendenz, die eigenen Bedürfnisse zu vergessen, sobald sich Nachwuchs ankündigt.

Welche Chancen sehen Sie in der Elternzeit?

Eine familienbedingte Auszeit vom Beruf kann der ideale Zeitpunkt für eine Orientierungsphase sein. Die Frau - oder auch der Mann - hat die Gelegenheit, in sich zu gehen und zu überlegen: Ist der bisherige berufliche Weg, den ich gegangen bin, noch der richtige für mich? Auch eine Qualifizierung während der Elternzeit ist eine Möglichkeit. Wichtig ist, dabei realistisch zu bleiben.