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Arbeitssucht:Abstand durch Urlaub

"Als ich nur noch drei Stunden geschlafen habe, bin ich zu einem Psychologen gegangen. Erst dort ist mir bewusst geworden, wie besessen ich von der Arbeit war." Sich die krankhafte Fixierung auf die Arbeit einzugestehen, ist der erste Schritt zur Besserung. "Um die Sucht dann zu überwinden, braucht man Unterstützung", sagt Trimpop. Daher sollten Berufstätige ihre Familie und Freunde möglichst früh einweihen. Wer ein gutes Verhältnis zum Chef hat, kann ihn auch informieren - gerade falls ein Betroffener die Arbeit erst einmal komplett ruhen lassen muss.

Um mehr innere Distanz zum Job zu schaffen, nehmen kranke Arbeitnehmer am besten erst mal einen längeren Urlaub, rät Psychologin Resch. Mit aufgeladenen Batterien müssten sie dann lernen, private Termine genauso wichtig zu nehmen wie berufliche, sagt Poppelreuter. Verabredungen mit Freunden sollten nur noch im absoluten Ausnahmefall abgesagt werden. "Dann muss ich aber auch direkt einen Ersatztermin nennen." Eine Freizeitbeschäftigung im Team kann den Arbeitssüchtigen zusätzlich helfen, ihre ungesunde Jobfixierung zu überwinden, sagt Trimpop.

Erfolgserlebnisse außerhalb des Jobs

Beispiele hierfür sind das regelmäßige Training in einer Fußballmannschaft oder ein Engagement beim Kinderschutzbund. "So lernen die Betroffenen, dass man auch außerhalb des Jobs attraktive Erfolgserlebnisse haben kann." Außerdem gibt es in vielen Städten in Deutschland Stammtische der "Anonymen Arbeitssüchtigen" (AAS). Hier können sie sich austauschen und über psychotherapeutische Hilfsangebote informieren.

Auch Petra Mintzek haben AAS geholfen. Alle zwei Wochen trifft sie sich mit anderen Arbeitssüchtigen in Mainz. "Hier kann ich frei von meinen Problemen erzählen." Sie arbeitet momentan in Teilzeit, genießt es, für ihre Kinder kochen zu können oder Freunde zu treffen. "Manchmal bin ich immer noch zu fixiert auf den Job und stelle zum Beispiel Übungsblätter für meine Schüler tausend Mal um. Aber ich spüre, dass ich auf dem Weg der Besserung bin."

© SZ vom 25.01.2014/Samuel Acker/dpa/jobr

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