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Arbeitsrecht:Meist bleibt die Mutter im Krankheitsfall beim Kind

Dafür allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: Das kranke Kind darf nicht älter als zwölf Jahre sein und muss ebenfalls gesetzlich versichert sein, andere Pflegepersonen - wie Großeltern oder Kindermädchen - dürfen nachweislich nicht zur Verfügung stehen, und das Kind muss ein Attest des Kinderarztes vorweisen. Für schwerkranke Kinder gelten großzügigere Regeln. Allerdings sollten Eltern vor Inanspruchnahme der Krankentage immer ihren Arbeitsvertrag prüfen, um zu schauen, ob der Arbeitgeber spezielle Klauseln für Fehlzeiten aufgenommen hat. Tarifverträge zum Beispiel bieten Eltern oft Anspruch auf mehr Fehltage, je nach Bundesland gelten jedoch unterschiedliche Regelungen.

Doch Gesetze sind nur die eine Sache. Wie aber dem Druck standhalten, wenn beim Kind der vierte Infekt innerhalb von sechs Wochen zuschlägt und die Kollegen zunehmend gestresst sind?

Nicht jeder Vorgesetzte reagiert dann noch verständnisvoll. "Kurzfristige, durch Krankheit der Kinder bedingte Arbeitsausfälle können gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine organisatorische Herausforderung sein", sagt ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. "Dann sind ein vertrauensvolles Miteinander und gegenseitiges Verständnis entscheidend, um im Krankheitsfall für beide Seiten befriedigende Lösungen zu finden."

Verständnis und Bereitschaft

Offenheit ist also wichtig: Wenn der Chef weiß, in welch misslicher Lage die Familie steckt, kann er mehr Verständnis für die Situation der Eltern entwickeln. Aber auch die Bereitschaft der Eltern, sich beim Aufpassen aufs kranke Kind abzuwechseln oder mal die Großeltern einzuspannen, ist wichtig für ein gutes Arbeitsklima. Manche Firmen sind längst vorbereitet auf die häufigen Ausfallzeiten junger Eltern und bieten ihren Mitarbeitern Gleitzeit oder Homeoffice-Modelle, um krankheitsbedingte Fehlzeiten auszugleichen.

Karrierefördernd ist das jedoch nicht. Vor allem für Frauen, denn in 91,5 Prozent der Fälle bleibt laut einer Studie der DAK die Mutter im Krankheitsfall beim Kind. Das geht nicht immer gut: Ein Sechstel aller zuvor angestellten Frauen bezeichnet sich laut Bundesagentur für Arbeit nach drei Jahren Elternzeit als arbeitssuchend - obwohl eine Kündigung in der Elternzeit eigentlich verboten ist. Vor allem in Führungspositionen sind häufigere Abwesenheiten nicht gern gesehen.

"Frauen in leitenden Positionen haben Schwierigkeiten"

"Tendenziell haben gerade hochqualifizierte Frauen in leitenden Positionen Schwierigkeiten, ihre Positionen mit Kind auszuüben", erklärt die Hamburger Karriereberaterin und Buchautorin Svenja Hofert. "Da stellen sich die Chefs quer. Aber es gibt natürlich branchenspezifische und verantwortungsspezifische Unterschiede. Im Medienbereich ist es besonders schlimm, im IT-Bereich deutlich entspannter, da herrscht mehr Nachfrage nach Fachkräften."

Anja Bachmann hofft, dass ihre Kollegen weiterhin kulant sind. Und dass ihr Sohn Leon bald nicht mehr ganz so oft krank wird. Spätestens mit Beginn der Schulzeit stabilisiert sich das Immunsystem der Kinder nämlich. Sie stecken sich seltener an. Dann ist Familie Bachmann voraussichtlich über den Berg.

© SZ vom 18.10.2014/jobr
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