bedeckt München 17°

Arbeitsrecht:Eine Frage der Details

Ist ein Arbeiter versichert, der auf dem Bau mitsamt Klo-Häuschen von einem Bagger umgefahren wird? Das Arbeitsrecht ist verzwickt - bei Unglücken kommt es auf Kleinigkeiten an.

Berufstätige leben gefährlich: Arbeitsunfälle ereignen sich in Deutschland minütlich, so die Statistik. Und nicht immer wird ein Unfall als Arbeitsunfall anerkannt. Es kommt darauf an, ob die Situation dem Privat- oder dem Berufsleben zuzuordnen ist. Diese Entscheidung hängt an zahlreichen, für Laien zum Teil unerwarteten Details. Häufig endet der Streit vor Gericht.

Dixieklo, ddp

Tücken im Arbeitsrecht: Ist ein Mitarbeiter auf dem Dixieklo versichert?

(Foto: Foto: ddp)

Allein im Jahr 2007 verunglückten nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Berlin annähernd 960.000 Menschen bei der Arbeit. Dazu kamen annähernd 170.000 Wegeunfälle. Ein Jahr zuvor registrierte die Dachorganisation annähernd 950.000 Arbeitsunfälle und mehr als 191.000 Wegeunfälle.

Keine Arbeitsunfälle auf der Toilette

Aber nicht immer können die Betroffenen überhaupt auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung hoffen. So ist etwa der Gang auf die Toilette über den Arbeitgeber versichert - nicht aber, was sich hinter der Klo-Tür abspielt, erklärt Eberhard Ziegler von der DGUV. Selbst auf dem stillen Örtchen sind schon Unfälle geschehen. Und die Privatsphäre ist nur über die Krankenkasse versichert.

Grundsätzlich gilt: "Der Unfall muss infolge einer versicherten Tätigkeit geschehen sein", erläutert Ziegler. Für den Betroffenen hat die dann folgende Anerkennung als Arbeitsunfall deutliche Vorteile: "Er bekommt alle Leistungen aus einer Hand von der Erstversorgung bis zur Rehabilitation. Und unter Umständen hat er auch noch Anspruch auf eine Rente." Wird die Anerkennung als Arbeitsunfall verweigert, sollte der Betroffene in jedem Fall dagegen klagen, empfiehlt der Jurist Norbert Bauschert aus Köln. Seine langjährige Erfahrung als Fachanwalt für Sozial- und Familienrecht hat ihm gezeigt, dass ausgerechnet die Berufsgenossenschaften als Träger der Unfallversicherung die "härtesten Gegner vor Gericht" seien. Viele Prozesse gingen zuungunsten der Kläger aus.

Auf der nächsten Seite: Rechtliche Tücken in der Mittagspause oder auf Dienstreisen.