Kiel (dpa/lno) - Die SPD hat einen stärkeren Einsatz der Landesregierung für die Tarifbindung in Schleswig-Holstein gefordert. "Nicht nur beim Verdienst spüren die Beschäftigten die Nachteile der fehlenden Tarifbindung", sagte der SPD-Arbeitsmarktpolitiker Wolfgang Baasch der Deutschen Presse-Agentur. Auch bei der Arbeitszeit hätten Mitarbeiter ohne Tarifbindung deutliche Nachteile. Sie arbeiteten meist länger als Beschäftigte in Unternehmen mit Tarifvertrag.
Die SPD hat deshalb für die kommende Landtagssitzung einen entsprechenden Antrag eingebracht. Sie verlangt, öffentliche Aufträge und Fördermittel nur noch an Unternehmen mit Tarifverträgen beziehungsweise an Betriebe zu vergeben, die ortsübliche Tarife anwenden.
"Die Tarifbindung ist bei uns wie in ganz Deutschland seit Jahren rückläufig", sagte Baasch. Ohne Tarifvertrag gebe es im Schnitt weniger Urlaub und auch kein tarifvertraglich festgelegtes Urlaubsgeld. "Das wirkt sich umso verheerender in Schleswig-Holstein aus, denn unser Land ist nach wie vor der Lohnkeller unter den westdeutschen Bundesländern."
Der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn, sagte der dpa, in Schleswig-Holstein sei nur noch die Hälfte der Beschäftigten von Tarifverträgen geschützt. "Mit Tarifvertrag verdienen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchschnittlich bis zu 800 Brutto monatlich mehr." Es gehe um soziale Gerechtigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. "So lange Schleswig-Holstein das Lohnkellerland des Westens bleibt, suchen sich die Fachkräfte lieber einen Job in Hamburg oder im Süden der Republik." Nötig sei der klare politische Wille, Tarifverträge und Gewerkschaften zu stärken.