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Arbeitsmarkt:Ende der Warteschleife

Geisteswissenschaftler im Dax-Unternehmen

Quereinsteigern kommt allerdings zugute, dass auch Arbeitgeber angesichts des Fachkräftemangels langsam umdenken müssen. "Stellenanzeigen sind zunehmend unspezifisch formuliert", sagt Andreas Pallenberg vom Wissenschaftsladen Bonn. Der Verein wertet für die Abonnenten seines Informationsdienstes bundesweit alle Jobangebote aus. Wo früher noch eine Stelle für einen Diplomkaufmann ausgeschrieben war, stehe heute beispeilsweise "Absolvent (m/w) gesucht" und "betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwünscht". Finanzdienstleister nähmen auch vertriebsstarke Germanisten und selbst die Dax-Unternehmen öffneten sich für Geisteswissenschaftler in Querschnittsaufgaben.

So gilt selbst für weniger begehrte Absolventen, dass sie keine Beschäftigung als Taxifahrer oder Kellnerin fürchten müssen. Nur zwei Prozent der Befragten der HIS-Studie gaben an, sie seien deutlich unterhalb ihrer Hochschulqualifikation beschäftigt. Am weitesten verbreitet sind Tätigkeiten als qualifizierte Angestellte, teilweise mit wissenschaftlichen Aufgaben, oder als Beamte, etwa nach einem Lehramts- oder Jurastudium.

Steigende Einstiegsgehälter

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Bayerische Absolventenpanel, ein Projekt des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) in Zusammenarbeit mit den bayerischen Hochschulen: Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre erste reguläre Stelle in inhaltlichem Zusammenhang mit ihrem Studium steht. Direkt nach dem Abschluss musste sich die Hälfte zwar mit einer befristeten Anstellung begnügen. Doch die Langzeitprognose sieht günstig aus: Ein Drittel der Fachhochschul- und ein Viertel der Universitätsabsolventen haben laut HIS fünf Jahre nach der Abschlussprüfung eine leitende Position übernommen.

Während die Absolventen der letzten Jahrgänge noch über stagnierende Gehälter klagten, scheint sich auch hier das Blatt zu wenden, zumindest was die begehrten Fachbereiche angeht. So fragt die IG-Metall jährlich die Einstiegsgehälter in den Branchen Automobil, Elektro, Informationstechnologie, Maschinenbau, Stahl und Telekommunikation ab. Nach dieser Berechnung können Master-Absolventen der Betriebswirtschaft im Mittel mit 43 000 Euro jährlich rechnen. Ingenieure, Naturwissenschaftler und Informatiker gleicher Qualifikation dürfen 45 000 Euro erwarten. Das sind in beiden Fällen 3000 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Für Fachhochschul-Absolventen dieser Fächer zahlt die Industrie immerhin etwa tausend Euro mehr. So schlägt sich der erhöhte Marktwert der Akademiker schließlich auch auf dem Konto nieder.