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Arbeitslose sollen Erzieher werden:5000 Luftnummern

Die Arbeitsagentur möchte aus Langzeitarbeitslosen Erzieher machen - 5000 von ihnen hätten sogar die formellen Voraussetzungen. Doch ganz einfach wird der Plan nicht umzusetzen sein.

In Deutschland fehlen Erzieherinnen, Tausende von ihnen. Andererseits gibt es Millionen Arbeitslose. Eine gute Quelle, um die fehlenden Fachkräfte auszubilden - meinen viele, darunter Bundesarbeitsminsterin Ursula von der Leyen (CDU). Etwa 800.000 Menschen, hat die Arbeitsagentur in Nürnberg nachgerechnet, erfüllen grundsätzlich die Voraussetzungen, um Erzieher zu werden. Das heißt, sie haben mindestens die mittlere Reife oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Kostenfaktor Erzieherinnen

In Thüringen ist der Bedarf an Erzieherinnen gedeckt. Hier ein Kindergarten in Nohra bei Weimar.

(Foto: dpa)

"Durch intensive Beratung können wir vielleicht 5000 Arbeitslose für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers gewinnen", sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), Heinrich Alt. Mehr als 1000 Menschen befänden sich bereits in der Umschulung.

Als die Schlecker-Pleite immer näher rückte, gab das Bundesfamilienministerium zwei Zahlen heraus: Etwa 14.000 Erzieherinnen sollen in Deutschland fehlen, dazu 16.000 Tagesmütter. Eine ganze Menge - zumal es vom 1. August 2013 an für unter Dreijährige einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz gibt.

Die Zahl 5000 macht nicht zum ersten Mal die Runde. Sie stammt von Ursula von der Leyen, die im Juni davon sprach, mindestens 5000 Menschen durch Umschulungen in den Erzieherberuf bringen zu wollen. Die Arbeitsagentur wolle nur diejenigen für den Erzieher-Job ausbilden, die das ausdrücklich wünschten, sagte Alt. Von diesem Angebot seien aber alle Jobsuchenden angesprochen, nicht nur Langzeitarbeitslose. Darunter könnten auch ehemalige Beschäftigte der insolventen Drogerie-Kette Schlecker sein.

Die Vorteile lägen laut Arbeitsagentur auf der Hand: "Wer sich für die Ausbildung entscheidet, hat danach sehr gute Beschäftigungschancen." In vielen Bundesländern, so etwa in Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Hessen, werden Erzieher dringend gesucht. Doch bei Arbeitslosenquoten von 3,4 Prozent im Freistaat und 5,6 Prozent in Hessen werden Umschulungen allein kaum das richtige Mittel sein, um den Bedarf zu decken.

Zudem finanziert die Arbeitsagentur grundsätzlich eine weitere Ausbildung nur dem, der noch keinen Berufsabschluss hat oder mindestens vier Jahre nicht im erlernten Beruf gearbeitet hat. Stattdessen wollte kürzlich der hessische Sozialminister Stefan Grüttner an Thüringer Ausbildungsstätten dafür werben, in Hessen zu arbeiten. Thüringen verbot die Kampagne. Die Erzieherinnen werden im eigenen Land gebraucht. Man möchte außerdem nicht für andere Länder die Ausbildung zahlen.

Thüringen ist hinsichtlich der Kinderbetreuung ein Musterland. Einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz von zehn Stunden am Tag vom ersten Lebensjahr an gibt es hier schon seit August 2010. Zwar gebe es in den größeren Städten Erfurt und Jena manchmal Engpässe, aber eine Klage habe das Land bisher noch nicht erreicht, heißt es aus dem Thüringer Kultusministerium.

Thüringen hat eine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent. Das Einstiegstarifgehalt einer Erzieherin von 2372,10 Euro brutto ist hier ein attraktiver Lohn, es sind rund 1000 Euro mehr als beispielsweise eine Filialleiterin von drei Läden einer Modekette verdient.