Arbeitgeber Polizei "Nullachtfünfzehn-Situationen gibt es nicht"

"Wir haben es zum Teil mit ganz neuen Phänomenen zu tun, bei denen sich die Täter in rechtlichen Grauzonen bewegen", sagt ein 28-jähriger Kriminalkommissar, der sich tief in aktuelle Phänomene der Internetkriminalität einarbeitet. Beim BKA laufen alle Informationen aus den Bundesländern zusammen. Zu den Aufgaben der Kriminalisten gehört es, alle Daten zu sammeln, Lagebilder zu erstellen und das Gefahrenpotenzial zu bewerten. "Das ist Grundsatzarbeit, mit der wir wirklich etwas bewegen können", sagt er. "Wir werden von der Politik gehört, das finde ich sehr motivierend."

Cyberkriminalisten sollten eine gewisse technische Affinität mitbringen, sie müssen jedoch keine IT-Experten sein. Denn auch bei der Bekämpfung digitaler Verbrechen spielt die klassische Ermittlungsarbeit eine wichtige Rolle. "Festnahmen oder Durchsuchungen sind jedes Mal eine große Herausforderung", sagt einer der BKA-Cyberkriminalisten. "Es kann immer eskalieren, Nullachtfünfzehn-Situationen gibt es nicht." Trotzdem zählen Ermittlungen für ihn zu den spannendsten Aufgaben bei der Kriminalpolizei - wie für viele, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen.

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Die überwiegende Mehrheit der Beamten landet jedoch in anderen Bereichen. Beim BKA arbeiten ungefähr 5500 Menschen, etwa die Hälfte von ihnen sind Kriminalkommissare. "Höchstens 300 sind tatsächlich als Ermittler unterwegs", sagt Marie Müller. Seit zwei Monaten arbeitet die junge Kriminalkommissarin als Sprecherin in der Pressestelle. Sie findet es wichtig, alle drei bis sechs Jahre zu wechseln. "Es gibt so viele Fachbereiche, von denen man noch nie gehört hat - und die häufig viel spannender sind, als man denkt."

Nach einem dreijährigen dualen Bachelor-Studiengang im Bundeskriminalamt und an der Hochschule des Bundes in Brühl wurde die 25-Jährige im "Internationalen Schriftverkehr" eingesetzt. "Das klingt für junge Beamte erst mal total uninteressant", sagt sie. "Dabei konnte ich den Informationsaustausch zwischen dem In- und Ausland nicht nur am Schreibtisch, sondern auch bei Auslandsaufenthalten in der Praxis erleben."

Und die Arbeitszeiten?

Ihr Kollege aus der Abteilung Operative Einsatz- und Ermittlungsunterstützung nickt. Er hätte sich auch nicht vorstellen können, dass er beim BKA mit Experten und Wissenschaftlern aus so vielen Fachrichtungen zusammenarbeiten würde. "Doch nur so können wir mit den Tätern Schritt halten", sagt er. Sein Referat stellt neueste Technologien auf den Prüfstand und untersucht, ob sie die Polizei in ihrer Arbeit unterstützen oder von Kriminellen missbraucht werden können. Lassen sich im 3-D-Drucker auch Waffen drucken, und wenn ja, wären sie schussfähig? Das sind Fragen, mit denen sich der Kommissar beschäftigt. Immer im engen fachlichen Austausch mit Forschern und Wissenschaftlern, auch auf internationaler Ebene.

Und wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus? Schließlich erleben Fernsehzuschauer vor allem übernächtigte Ermittler mit Augenringen im Dauerdienst. Die Realität sieht zwar nicht ganz so dramatisch aus, im operativen Einsatz lassen sich Arbeitszeiten jedoch nur bedingt regeln. "Wenn wir einen Hinweis auf einen Gotteskrieger haben und aus dem Stand einen Einsatz hochfahren, dann kommen die Kollegen nicht um 17 Uhr raus, um die Kinder von der Kita abzuholen", sagt Petra Sandles.

Aus ihrer Sicht ist das einer der Gründe dafür, dass Frauen auf den Polizeihochschulen und im mittleren Dienst inzwischen gut vertreten sind, seltener jedoch im gehobenen oder höheren Dienst. "Es gibt Positionen, die sich mit dem Familienleben besser vereinbaren lassen, durchaus auch in Teilzeit", sagt Sandles. "Aber Führungspositionen sind in der Regel mit Einsatzverantwortung verbunden."

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