Arbeiten in der Schweiz:"Ein besseres Pflaster gibt es nicht"

Lesezeit: 4 min

Die Schweiz ist das beliebteste Auswanderungsland für Deutsche - mit gutem Grund.

Judith Raupp

Hannes Florian Räth ist Banker, ein richtiger Banker. Er sagt das von sich mit einem Unterton, als würde ihm seine Karriere selbst ein wenig unheimlich sein. Er, der ehemalige Russisch-Student hätte sich das jedenfalls nie träumen lassen. Nun sitzt der 33-jährige Schwabe im Konferenzraum der Großbank UBS am Paradeplatz in Zürich und schwärmt von tollen Aufstiegschancen. "Zürich ist mit New York und London einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt. Ein besseres Pflaster für Banker gibt es nicht."

Das mag wohl stimmen. In der kleinen Schweiz existieren 2500 Banken. Sie beschäftigen 115.628 Mitarbeiter, und viele Finanzinstitute sind immer noch auf Personalsuche. Die beiden Marktführer UBS und Credit Suisse melden für die Schweiz zusammen 1300 offene Stellen. Manchmal spielt ihnen der Zufall die gesuchten Fachkräfte in die Hände. Räth zum Beispiel hatte gerade bei der UBS in Deutschland angefangen, als er beiläufig einem Kollegen erzählte, dass er neben Deutsch und Geschichte auch Russisch studiert habe und diese komplizierte Sprache fließend beherrsche. Es dauerte nicht lange, bis der Anruf aus der Züricher Zentrale kam. Die UBS brauchte dringend jemanden, der die Kunden in Osteuropa betreute. Einer, der Russisch sprach, kam da gerade recht. Und Räth hatte mittlerweile betriebswirtschaftliche Fortbildungen besucht und zuvor schon bei einer Versicherung und einer deutschen Bank gearbeitet.

Fast drei Jahre ist es her, seit Räth nach Zürich wechselte. Inzwischen ist er zum Teamleiter aufgestiegen. Mit seinen Mitarbeitern spricht er wahlweise Englisch, Russisch oder Deutsch, wobei das mit dem Deutschen so eine Sache ist. "Obwohl ich aus Süddeutschland komme, hat mich der sprachliche Unterschied sehr überrascht", erzählt Räth. Den Dialekt in Zürich hat er zwar bald verstanden. Statt Fahrrad sagt er selbst schon Velo. Wenn aber Leute aus der Gegend von Bern oder aus dem Wallis mit ihm sprechen, kommt ihm das immer noch wie eine unverständliche Fremdsprache vor.

An seinem Arbeitsplatz in der Schweiz ist Räth sehr schnell aufgefallen, wie höflich alle miteinander umgehen. Der Mann mit dem Dreitagebart und dem dezent gestreiften Anzug findet, es gehe sogar richtig familiär zu. Hierarchien spielen eine viel geringere Rolle, als er es von Deutschland kennt. "Hier duzen sich alle sehr schnell. Das macht vieles einfacher", sagt er. Dass Schweizer überkorrekt und penibel seien, hält er längst für ein typisches Vorurteil der Deutschen gegenüber ihren südlichen Nachbarn.

Ziemlich unkompliziert lief auch die Suche nach der Wohnung. Räth hat einfach auf das schwarze Brett im Intranet der UBS geschaut. Und schon hat es geklappt. Er hätte fürs Erste auch in das bankeneigene Wohnheim ziehen können. Aber spätestens, als seine Frau aus Deutschland nachkam und sich der erste Nachwuchs ankündigte, wollte Räth ein richtiges Zuhause.

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