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Arbeiten in der Pharmabranche:Gesucht: Naturwissenschaftler plus

Freundlich bleiben die Aussichten für pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA), die vor allem an der Herstellung, Prüfung und Abgabe von Arzneimitteln mitwirken. Während sie zwar weniger in Apotheken unterkommen, fragen Industrie und medizinische Labors stärker nach, so dass die Beschäftigtenzahl nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarktforschung kontinuierlich von 42.745 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 1999 auf 50.031 im Jahr 2003 angestiegen ist.

Auch hier finden sich immer mehr ausgebildete Kräfte, die als Pharmaberater arbeiten, was wohl auch mit dem PTA-Gehalt zusammenhängt: Im ersten und zweiten Berufsjahr liegt das übliche Monatssalär nach Angaben der Pharma Currentis GmbH bei 1537 Euro, ab dem 15. Berufsjahr sind 2041 Euro üblich.

50.000 Euro für Berufseinsteiger

Deutlich üppiger fallen die Bezüge für Akademiker aus. Bei Pfizer kann ein Trainee ein Jahresgehalt von 35.000 bis 45.000 Euro erwarten; Direkteinsteiger liegen zum Teil bei 50.000 Euro. Bei Bayer bekommen Promovierte 53.000 Euro, bei Roche etwa 55.000 Euro.

Das sind Größenordnungen, bei denen viele vom Krankenhausalltag und vergleichsweise niedrigen Einstiegsgehältern frustrierte Jungmediziner ins Grübeln geraten. Kein Wunder, dass sie sich zunehmend in der Pharmaindustrie umsehen. Dort sind sie gern gesehen - vorausgesetzt, ihnen stellen sich bei der Verbindung Medizin und Marketing, Schmerzmittel und Saldo sowie Wundheilung und Wirtschaftlichkeit nicht die Nackenhaare auf.

Klassischerweise gelingt der Einstieg über ein Trainee-Programm, das bei Pfizer zum Beispiel 15 bis 24 Monate dauert. Neben fachlicher Fitness werden unisono folgende Fähigkeiten verlangt: analytisches Denken, ausgeprägtes Kommunikationsvermögen, Teamfähigkeit, sehr gutes Englisch, ein hohes Maß an Eigeninitiative, praktische Erfahrungen, möglichst im Ausland.

Chance für Exoten

Bayer wird in den kommenden vier Jahren mindestens 400 Hochschulabsolventen in Deutschland einstellen; im laufenden Jahr werden etwa 130 Absolventen einsteigen. Bei Boehringer Ingelheim werden in diesem Jahr zwischen 70 und 80 Nachwuchskräfte eingestellt. Auch Exoten, wie Biostatistiker, Biopharmazeuten und Maschinenbauer.

Allerdings verschiebt sich hier langsam ein Einstellungskriterium, was Jungakademiker betrüben dürfte: "Wir schauen immer stärker nach Kräften, die schon erste Erfahrungen in der Pharmaindustrie gesammelt haben. Das heißt, der Fokus verschiebt sich von Hochschulabsolventen hin zu Young Professionals", erklärt Manfred Hund, Leiter des Hochschulmarketings bei Boehringer Ingelheim.

Auch daran zeigt sich, dass der Druck in der Branche zugenommen hat. Die Kostenpolitik der Krankenkassen hinterlässt Spuren. Generika und die Gesundheitsreform machen den Branchenriesen das Leben schwer. Da verwundert es nicht, wenn Hund sagt: "Wir haben einfach zu wenig Zeit, Absolventen on the job praxistauglich zu machen."