Früher herrschte Fachkräftemangel

Gestern herrschte Fachkräftemangel. Heute auch. Trotz Flaute haben Unternehmen nach wie vor Schwierigkeiten, qualifizierte Bewerber für offene Stellen zu finden. Begehrt sind vor allem, wen wundert's, Ingenieure und IT-Spezialisten. Laut Arbeitsmarktreport der Stuttgarter Dekra-Akademie, einem Weiterbildungsunternehmen, sind derzeit Maschinen- und Fahrzeugbauer sowie Elektrotechniker am begehrtesten. Und nicht nur Akademiker haben hier gute Chancen. Wer eine Ausbildung als Elektroniker mitbringt, ist auch sehr willkommen.

Der hohe Bedarf an Ingenieuren hat laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln dazu geführt, dass Ältere sich kaum Sorgen um Jobs machen müssen: Waren 1999 noch etwa 42.000 Ingenieure über 50 arbeitslos, so sank diese Zahl dem IW zufolge bis 2008 auf 8900 - ein Rückgang um 80 Prozent. Nicht unter die "Top Ten" der gesuchten Technikberufler schaffen es laut Dekra-Report die Bauingenieure und Architekten. Bemerkenswert ist aber, dass hier die Zahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel gestiegen ist.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg meldet den zweithöchsten Bedarf, gleich nach den Ingenieuren, im sozialen Bereich. Gesucht werden Sozialpädagogen, Erzieher sowie Alten- und Krankenpfleger. Auf ganz Deutschland hochgerechnet erwarteten 63.000 Arbeitgeber in den kommenden drei Jahren einen steigenden Bedarf in den sozialen Berufen.

Auch Vertriebler dürften wenig Probleme bei der Stellensuche haben. Neben Call Center Agents fänden sich laut Dekra-Report Kundenbetreuer nach wie vor unter den am häufigsten gesuchten Fachkräften.In fast allen Berufen des serviceorientierten Gastgewerbes habe sich die Zahl der Stellenangebote gegenüber dem Vorjahr erhöht. Spitzenreiter seien Kellner und Restaurantfachkräfte.

Folgt man der Workplace Survey, für die der Personaldienstleister Robert Half mehr als 6000 Personal- und Finanzmanager in 20 Ländern befragt hat, werden auch Spezialisten für das Finanz- und Rechnungswesen dringend gebraucht. Besonders dem deutschen Arbeitsmarkt mangele es an Finanzfachleuten.

Bei 12,6 Prozent der offenen Stellen wird laut Dekra-Bericht erwartet, dass man Führungsverantwortung übernimmt. Peter Littig, Dekra-Direktor für Bildungspolitik, resümiert: "Dass die absolute Anzahl der Stellenangebote gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist, überrascht nicht. Im Umkehrschluss von einer Entspannung am Fachkräftemarkt zu reden, wäre jedoch falsch."

Wohin das führt, zeigt eine Untersuchung des Bundesbildungsministeriums: In Deutschland, das 2007 in Sachen Innovationskraft den Anschluss an die europäischen Spitzennationen verloren habe, sei der Mangel an Hochqualifizierten, insbesondere an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren so gravierend, dass er das Wirtschaftswachstum bremse. Foto: dpa

12. Juli 2009, 15:252009-07-12 15:25:00 ©