Früher sollten Mitarbeiter sich wohlfühlen

Belohnungsreisen fürs Backoffice, ein mobiles Massagekommando für die Mittagspause: Man hat von allerlei Bepamperungsmaßnahmen gehört damals, in besseren Zeiten. Auch von einigen substanziellen Versuchen, etwa Arbeit und Familienleben vereinbarer zu machen, was dem erklärten Wunsch der besonders begehrten Uniabsolventen entspricht: Laut Hochschul-Informations-System in Hannover ist es Berufseinsteigern heute weniger wichtig, ehrgeizige berufliche Ziele zu erreichen und viel Geld zu verdienen als für Familie und Partner da zu sein.

Wieviel ist das Humankapital den Unternehmen jetzt noch wert? Niemand wird den betriebseigenen Kindergarten schließen. Allerdings werden wohl kaum noch Mitarbeiter zum fröhlichen Teambuilding durch den Gebirgsbach gejagt - der Verband Deutsches Reisemanagement beklagt eklatante Einbrüche bei den Geschäftsreisen. Sonst aber tun die Unternehmen erstaunlich viel, um ihre Mitarbeiter zwar nicht unbedingt bei Laune, aber wenigstens in Lohn und Brot zu halten. Sie haben aus den Fehlern der letzten Krise gelernt, als sie gutes Personal auf die Straße gesetzt haben und, als es wieder aufwärts ging, ohne Spezialisten dastanden. "Die Unternehmen nutzen in bisher nicht gekanntem Ausmaß interne Strategien, um den Personaleinsatz der verschlechterten Auftragslage anzupassen", sagt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Statt zu entlassen, werde die Auslastung der Beschäftigten verringert - vor allem durch Kurzarbeit, Senken der wöchentlichen Arbeitszeit, Abbau von Überstunden und eine Reduzierung der Guthaben auf den Arbeitszeitkonten.

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12. Juli 2009, 15:252009-07-12 15:25:00 ©