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Frage an den SZ-Jobcoach:Wie bringt man alte und junge Kollegen zusammen?

Rat vom Jobcoach: Spezialisieren Sie sich.

Einmal wöchentlich beantworten die SZ-Jobcoaches Fragen zum Berufsleben.

(Foto: Jessy Asmus)

Katja F. muss einen Konflikt schlichten: Sechs ihrer Mitarbeiter sind Berufsanfänger, ein anderer ist älter und verweigert die Kooperation im Team. Wie finden beide Seiten zueinander?

SZ-Leserin Katja F. fragt:

In den letzten Jahren sind sechs meiner sieben Mitarbeiter in Rente gegangen und durch junge Berufsanfänger ersetzt worden. Sie geben ihr Wissen bereitwillig weiter und haben Schwung in die Abteilung gebracht. Sie probieren neue Wege aus - oft erfolgreich, manchmal auch nicht. Der verbliebene ältere Kollege wird noch drei Jahre im Unternehmen sein und hat sich mit seinem speziellen Fachwissen ein Alleinstellungsmerkmal im Team erarbeitet. Doch er behält sein Wissen für sich und bearbeitet, wie er es gewohnt ist, seine Aufgaben alleine. Nach einem Konflikt mit den jungen Kollegen und Kolleginnen, die ihm mangelnde Kooperationsbereitschaft vorwarfen, wurde er krank. Wie verhindere ich, dass sich die Fronten weiter verhärten?

Georg Kaiser antwortet:

Liebe Frau F., in Ihrem Team prallen zwei Arbeitsweisen samt den damit verbundenen kulturellen Werten aufeinander. In einem Verhältnis von sechs zu eins. Für die nächsten drei Jahren empfehle ich eine friedliche Koexistenz verbunden mit umfassender Wissensvermittlung.

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Junge Chefs schaden der Motivation

Fachkräftemangel und Digitalisierung katapultieren junge Mitarbeiter direkt in die Führungsetage. Das fördert aber nur ihre eigenen Leistungen.   Von Viola Schenz

Ihr erfahrener Mitarbeiter ist zum Außenseiter geworden und kann diese Rolle nicht akzeptieren, wird sie vermutlich auch als ungerecht empfinden. In seiner Wertewelt stehen Erfahrungswissen und fachliche Kompetenz an oberster Stelle. Er ist stolz auf sein Expertenwissen und will gewürdigt werden. Den Wunsch der jungen Kollegen, hier aktiv mitzugestalten, betrachtet er eher als Bedrohung denn als Chance. Von Neulingen will er sich nicht reinreden lassen. Und persönlich verändern will er sich auf seine alten Tage auch nicht mehr.

Die jungen Mitarbeiter sind durch ihr Engagement und ihre Kooperationsbereitschaft jetzt schon erfolgreich und werden mit zunehmender Berufserfahrung ihre Leistungen steigern. Sie haben einen Arbeitsstil etabliert, der ihnen entspricht und ihnen Freude macht. Auch das will geschätzt und gewürdigt werden.

Ihre Aufgabe liegt darin, den Wert beider Herangehensweisen zu vermitteln, Verständnis für die jeweils andere Vorgehensweise zu wecken und dem erfahrenen Mitarbeiter den Rücken zu stärken, ohne dabei Partei zu ergreifen. Erarbeiten Sie in einer Teambesprechung eine Vorgehensweise, wie eine solche friedliche Koexistenz bei Würdigung und respektvollem Umgang untereinander umgesetzt werden kann - und wer dabei welche Rollen und Aufgaben übernimmt.

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Die Wissensweitergabe Ihres erfahrenen Spezialisten an einen oder zwei junge Mitarbeiter könnte ein derartiges Projekt sein. Stellen Sie ihm beim nächsten Auftrag einen Kollegen zur Seite mit der Aufforderung, diesem die Vorgehensweise so genau zu erklären, dass er den nächsten derartigen Auftrag alleine bearbeiten kann. Lassen Sie ihn sein Spezialwissen als Experte in der Form weitergeben, die ihm liegt und vertraut ist. Erklären Sie ihm, dass Sie den erfolgreichen Wissenstransfer höher bewerten als den erfolgreichen Abschluss der Aufgabe.

Bereiten Sie auch den jungen Mitarbeiter auf die Zusammenarbeit vor: Erwarten Sie von ihm, dass er sich, solange er vom älteren Kollegen lernt, an dessen Stil und Arbeitsweise orientiert. Auseinandersetzungen über die richtige Form der Zusammenarbeit sind in dieser Teamzusammenstellung wenig aussichtsreich.

Sichern Sie den Erfolg der Einarbeitung und auch der gegenseitigen Akzeptanz, indem Sie sich während der Einarbeitung regelmäßig erkundigen, wie die Zusammenarbeit klappt. Moderieren Sie bei Unstimmigkeiten klärende Gespräche. Legen Sie schon zu Beginn der Einarbeitung einen Termin für eine Retrospektive fest. Ziehen Sie dort Bilanz, würdigen Sie das Eingehen aufeinander und feiern Sie gemeinsam die Erfolge.

Georg Kaiser arbeitet als Personalreferent in Bremen mit den Arbeitsschwerpunkten Team-, Führungskräfte- und Organisationsentwicklung.