bedeckt München 13°
vgwortpixel

SZ-Jobcoach:Wie finde ich einen Job, der mich zufrieden macht?

Rat vom Jobcoach: Spezialisieren Sie sich.

Regelmäßig beantworten die SZ-Jobcoaches Fragen zum Berufsleben.

(Foto: Jessy Asmus)

Leser Jannik H. ist schon länger frustriert von seiner Arbeit. Jetzt will er gründlich über Alternativen nachdenken. Wie soll er vorgehen? Der Jobcoach hilft weiter.

SZ-Leser Jannik H. fragt:

Ich bin schon länger nicht wirklich zufrieden in meinem Job. Fürs neue Jahr habe ich mir vorgenommen, ernsthaft über Alternativen nachzudenken. Ich will zwar nicht aussteigen oder Surflehrer werden, dafür bin ich zu bodenständig. Aber ich habe ein paar vage Ideen. Ich weiß nur nicht, wie ich jetzt vorgehen soll, damit es nicht bei dem frommen Vorsatz bleibt.

Madeleine Leitner antwortet:

Lieber Herr H.,

damit es nicht dauerhaft bei der latenten Unzufriedenheit bleibt, sollten Sie sich aktiv mit dem Thema beschäftigen. So können Sie System in Ihre Fragestellung bringen:

Job Die Suche nach dem Sinn
Arbeit

Die Suche nach dem Sinn

Immer mehr Menschen wollen einen Job, der auch einen Nutzen für die Gesellschaft hat. Jeder Zweite würde dafür weniger Gehalt akzeptieren. Wie findet man eine Arbeit, die man als sinnvoll erachtet?   Von Sven Lüüs

Erstens: Was versprechen Sie sich von einem Wechsel? Beobachten Sie sich eine Weile, um herauszufinden, worin genau Ihre Unzufriedenheit liegt. Wann tritt dieses Gefühl auf? Wenn Sie abends vor dem Fernseher sitzen und Aussteiger beneiden? Wenn Ihnen wieder mal zu wenig Zeit gegeben wird, um eine Aufgabe gut zu erledigen? Beim Blick auf den Kontostand? In Anwesenheit bestimmter Personen? Was genau möchten Sie ändern? Könnten die Punkte, die Sie stören, bei gründlicher Betrachtung auch innerhalb Ihrer jetzigen Tätigkeit lösbar sein? Chefs fallen manchmal aus allen Wolken, wenn jemand kündigt und nicht vorher nach einer konkreten Verbesserung gefragt hat.

Zweitens: Je klarer Sie wissen, was Sie möchten, desto eher werden Sie es finden. Definieren Sie daher möglichst genau, was Sie suchen. Entwickeln Sie drei bis fünf berufliche Ideen, die infrage kommen: Als was möchten Sie arbeiten, welche Branchen kommen infrage? Bei den meisten beruflich Unzufriedenen liegt die Wurzel des Übels allerdings gar nicht in ihrer Tätigkeit selbst, sondern in anderen Aspekten, die den entscheidenden Unterschied zwischen Glück und Unglück im Job ausmachen. Daher sollten Sie auch diese möglichst genau bestimmen. Mit welchen Menschen kommen Sie erfahrungsgemäß gut oder nicht so gut zurecht? Wie viel möchten Sie mindestens oder idealerweise verdienen? Arbeiten Sie lieber in einer kleinen oder großen Firma oder möchten Sie sich lieber selbständig machen? Gibt es Rahmenbedingungen, die Sie problematisch finden, etwa die schlechte Vereinbarkeit mit dem Privatleben, extremer Zeitdruck, geistige Über- oder Unterforderung, mieses Betriebsklima? Welche Rolle spielen Werte im Beruf? Was motiviert Sie? Menschen zu helfen? Ein Geschäft zu machen? Herausforderungen zu bewältigen?

Drittens: Ein Traum kann ein verkappter Albtraum sein. Gab es bei Ihren drei bis fünf Ideen auch solche, die Sie noch nicht aus eigener Erfahrung beurteilen können? Um zu vermeiden, dass Sie falschen Vorstellungen aufsitzen, sollten Sie Ihre Ideen zuletzt einer Realitätsprüfung unterziehen. Unterhalten Sie sich dafür am besten mit einigen Personen, die in dem Beruf arbeiten, der Sie interessiert. Anhand der Kriterien, die Sie definiert haben, werden sich manche Ihrer Ideen in Luft auflösen - und zwar, bevor Sie womöglich Schiffbruch erleiden. Andere Ideen können Sie hingegen mit mehr Sicherheit und System weiterverfolgen und zum Beispiel eine bestimmte Weiterbildung machen.

Info

Haben Sie auch eine Frage zu Berufswahl, Bewerbung, Etikette, Führungsstil oder Arbeitsrecht? Dann schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere Experten beantworten ausgewählte Fragen. Ihr Brief wird selbstverständlich anonymisiert.

Nach meiner Erfahrung wird die Unzufriedenheit mit der eigenen Tätigkeit oft deutlich überschätzt. Die meisten Menschen gewöhnen sich nämlich schnell an die positiven Aspekte und halten sie für selbstverständlich. Mit den negativen Seiten werden sie aber tagtäglich konfrontiert. Viele liebäugeln daher mit der Vorstellung, eigentlich "etwas ganz anderes" machen zu wollen. Bei genauer Betrachtung sind allerdings die wenigsten Menschen völlig falsch in ihrem Job. Nur bei drei bis fünf von hundert meiner Klienten stellt sich heraus, dass sie wirklich im völlig falschen Beruf gelandet sind. Oft muss man nur die richtigen Strippen ziehen - und der Job passt wieder.

Madeleine Leitner ist Diplom-Psychologin und lebt als Karriereberaterin in München.

© SZ vom 18.01.2020/berk
Zur SZ-Startseite