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Frage an den SZ-Jobcoach:Wie beginne ich das Anschreiben einer Bewerbung?

Job und Bewerbung - der SZ-Jobcoach hilft

Einmal wöchentlich beantworten die SZ-Jobcoaches Fragen zum Berufsleben.

(Foto: Jessy Asmus)

Daniel L. sucht nach Alternativen zu "Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen" und bittet den Jobcoach um Rat.

SZ-Leser Daniel L. fragt: Ich schreibe gerade meine zwölfte Bewerbung und verzweifle langsam an der Formulierung der Anschreiben. Mit fällt einfach kein anderer erster Satz ein außer "Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige vom 15. September gelesen." Angeblich kommen solche Standardsätze nicht gut an. Aber wie könnte ich sonst einsteigen? Bitte verraten Sie mir ein paar gelungene erste Sätze!

Christine Demmer antwortet:

Lieber Herr L., mit Ihrer verzweifelten Suche nach dem zündenden ersten Satz sind Sie nicht allein. Seit Generationen zerbrechen sich Bewerbungsschreiber (m/w/d) den Kopf, mit welchen goldenen Worten sie ihr Interesse an einem ausgeschriebenen Job bekunden sollen. Immerhin weiß jeder, wie der Briefanfang nicht lauten solle. Die schlichte Wahrheit: "Mit großem Interesse ..." ist langweilig und abgegriffen. Ebenso die naheliegenden Varianten "Mit großer Freude ...", "Mit großer Spannung ..." und "Mit großer Aufmerksamkeit ..." Weil man mit dem Wort "Ich" keinen Brief beginnen soll, fällt "Ich interessiere mich für ..." ebenfalls flach.

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Wenn man den Spieß umkehrt und den Bewerbungsempfänger mit seiner Aufgabe konfrontiert: "Sie suchen ...", dann dürfte das auch nicht der große Wurf sein. Denn Personaler wissen durchaus, wen sie suchen. Ähnliches gilt für: "Ihr Stellenangebot hat mich angesprochen." Etwas vergessen? Ach ja: Zu lang darf der erste Satz auch nicht sein. Bandwurmsätze, deren Bedeutung sich nur durch die Verwendung diverser Kommas erschließt, müssen geistig entpackt werden. Sprechen wir deshalb lieber von der Briefeinleitung. Sie darf auch aus zwei, drei kurzen Sätzen bestehen.

Die Einleitung soll beim Leser maximale Aufmerksamkeit wecken. Sie soll ihn überraschen, elektrisieren, im Kopf Funken sprühen lassen. Damit nicht genug. Die einleitenden Worte sollen Zielstrebigkeit, Selbstbewusstsein und Leidenschaft beim Bewerber erkennen lassen. Und einen Bezug zur Branche oder zum Unternehmen aufweisen. Kurz: Der Anspruch an die Einleitung ist so gewaltig, dass sich schon damit die wachsende Beliebtheit von Online-Formularen erklärt. Da entfällt das lästige Anschreiben.

Den klassischen Weg könnten Sie so einleiten: "Seit Jahren verfolge ich die Entwicklung auf dem XYZ-Markt. In Theorie und Praxis habe ich mir ein umfangreiches Wissen angeeignet. Gern möchte ich es Ihrem Unternehmen zur Verfügung stellen." Oder so: "Aufgrund meiner überdurchschnittlichen Leistungen als XYZ und meiner langjähriger Erfahrung bin ich in der Lage ..." Oder so: "Ihr Unternehmen steht für hohe Qualität und Kundenorientierung. Weil ich diese Ansprüche auch an meine Arbeit stelle, hoffe ich auf eine positive Aufnahme meiner Bewerbung bei Ihnen."

Eine weitere Variante: "Ihre Stellenanzeige hat mich sehr angesprochen. Ich bin überzeugt, dass der Wechsel in die XYZ-Branche der folgerichtige Schritt für meine berufliche Laufbahn ist, weil ..." Und wie gefällt Ihnen dieser Einstieg: "Die von Ihnen angebotene Stelle entspricht genau meinen Vorstellungen, da kunden- und serviceorientiertes Arbeiten eine meiner anerkannten Stärken ist." Kreativität beweisen Sie mit diesem Bewerbungsanfang: "Von meiner Haustür bis zu Ihrer Zentrale sind es mit dem Fahrrad genau 25 Minuten. Das heißt: Während die anderen Mitarbeiter noch im Stau stehen, könnte ich morgens schon die erste Kollegin im Büro sein."

Natürlich müssen Sie die vorgeschlagenen Formulierungen noch etwas anpassen. Und bei der übernächsten Bewerbung aufpassen. Denn dann sind diese Sätze wahrscheinlich auch schon wieder Allgemeingut. Gutes Gelingen!

Christine Demmer arbeitet als Wirtschaftsjournalistin und Coach in Deutschland und Schweden.

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