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Angst vor Sprechstunden beim Professor:Bis eine weint

Herzrasen, Panikattacken, kullernde Tränen - und alles nur, weil man gleich mit dem Professor sprechen soll: Manchmal ist die Angst der Studenten vor Sprechstunden größer als vor Prüfungen. Grund dafür ist ein alter Mythos.

Reden soll ja bei allem Möglichen helfen. Es kann Beziehungsprobleme lösen, Antworten auf Fragen bringen oder einfach das Gefühl der Gemeinsamkeit erzeugen. Doch wenn es plötzlich um die eigene Leistung geht und der Gesprächspartner der Professor ist, wie in der akademischen Sprechstunde, kann es auch viele Nerven kosten.

Das Ende der Angst: Neurosen können geheilt werden

Für viele Studentinnen und Studenten wird der Gang zum Professor zum Horrortrip - doch gegen die Ängste kann man etwas tun.

(Foto: dpa-tmn)

In der Schule haben diese Zusammentreffen noch die Eltern für einen erledigt, und zwar meist bis hinauf in die Kollegstufe, weil Lehrer ihre Schüler oftmals selbst dann noch für unmündig halten, wenn diese zu ihrem Pausenbrot eine Bierflasche trinken. Studenten jedoch bleibt das persönliche Gespräch mit dem Lehrpersonal nicht mehr erspart.

Und da nimmt die akademische Sprechtragödie ihren Lauf. Eigentlich fällt die Sprechstunde unter den Bereich der Betreuung, was heimelig klingt, jedoch schnell unheimlich wird. Für viele ist sie ein Ritual, das oft vor allem eines fördert: Die Bewusstwerdung der eigenen nichtigen Position auf der unteren Stufe der akademischen Machthierarchie.

Denn wenn Studenten meist überpünktlich vor der Dozententür eintreffen und viel Wartezeit damit verbringen, das eigene mickrige Wissen mit dem professoralen Gedankengut zu vergleichen, steigt der Stresspegel. Ein ironischer Kommentar vom Professor kann nicht nur eine hart erarbeitete These fortfegen, sondern auch das Gefühl der Unsicherheit massiv verstärken. Vielen Studenten erscheint das Projekt "Wie-hinterlasse-ich-einen-guten-Eindruck" wie eine unmögliche Mission. Die Gefahr, sich zu blamieren oder gar durch einen unvorteilhaften Auftritt eine gute Note zu riskieren, schürt Ängste.

Dann ist es soweit: Die Tür öffnet sich, der Professor empfängt. Die Farce beginnt bereits bei der Begrüßung: Schüttelt man seine Hand, schüttelt man sie nicht? Hat sich bereits der Angstschweiß auf den Handflächen so stark angesammelt, dass er denken könnte, die Hände seien nicht ordentlich, oder noch schlimmer: gar nicht gewaschen? Angesichts der professoralen Autorität ist jegliche Natürlichkeit im Verhalten dahin. Neigt man nicht ohnehin zu masochistischen Neigungen, stellt sich unmittelbar die Frage: Muss das so sein?

Die Antwort lautet "nein". Zwar sei das Autoritätsgefälle zwischen Studenten und Professoren hoch, allerdings sei der furchteinflößende und machtausübende Professor mehr Mythos denn Realität, wie Professor Rainer Holm-Hadulla, leitender Arzt der psychotherapeutischen Beratungsstelle der Universität Heidelberg, sagt. Insbesondere für Studenten, die aus einer bildungsfernen Schicht stammen, sei der Umgang mit akademischen Autoritätspersonen schwer. Ist der eigene Vater Arzt oder Professor, wüssten die Kinder besser um die Fehlbarkeit dieser Menschen.

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