Alternatives Lernen:Wie es euch gefällt

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Joshua ist bereits an drei Schulen gescheitert. Gelernt hat er an keiner, dafür hat er die Mitschüler gestört, bis schließlich die Diagnose ADHS - Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität - gestellt wurde und Joshua Medikamente bekam. Heute ist er immer noch lebhaft, manchmal anstrengend, aber er hat seinen Platz und seinen Weg gefunden. Die Medikamente hat er abgesetzt und die Prüfung für einen staatlichen Schulabschluss abgelegt.

Alternatives Lernen: Die Sängerin Nena gehört zum Gründungsteam der "Neuen Schule" in Hamburg.

Die Sängerin Nena gehört zum Gründungsteam der "Neuen Schule" in Hamburg.

(Foto: Foto: AP)

Mehr Freiheit, mehr Kompetenzen

Dass Kinder, wenn sie selbst mitbestimmen können, besser lernen, sagt auch der Erziehungswissenschaftler Hans Brügelmann. "Außerdem eignen sie sich Kompetenzen wie Entscheidungsfähigkeit oder Verantwortungsbewusstsein an, die für ihr späteres Leben überaus wichtig sind." Hoffnungsfroh beobachtet Brügelmann, dass Ideen der demokratischen Schulen mittlerweile auch von staatlichen Einrichtungen, wenn auch noch zaghaft, aufgegriffen werden. Renate Lange, Vorsitzende der Sudbury-Initiative München, sagt, sie sei optimistisch, im nächsten Jahr mit einer Schule starten zu können.

Studien zu dem Modell und seinen Erfolgen oder Misserfolgen gibt es bisher kaum. Eine der wenigen Untersuchungen stammt von dem Kölner Erziehungswissenschaftler Falko Peschel, der Konzepte für den "offenen Unterricht" entwickelt hat. Peschel hat eine Grundschulklasse, in der offener Unterricht angewendet wurde, vier Jahre lang begleitet. Die Kinder lagen in ihren Leistungen deutlich über dem Durchschnitt.

Jeder hat eine Stimme

An der Kampanje wird die Mitbestimmung durch die wöchentliche Schulversammlung garantiert, bei der jeder eine Stimme hat. Alles Wichtige wird hier entschieden. Und jeden Morgen um elf tagt ein "Justizkomitee", das Regelverstöße ahndet und freundlich, aber bestimmt Strafen verhängt. Das kann eine Viertelstunde Putzen sein oder ein Raumverbot.

Die Schulzeit endet mit dem Sudbury-Diplom, daneben erwerben viele Schüler aber auch andere, externe Abschlüsse. Ihre wichtigste Referenz seien sie selbst, sagt Regina Leeb, die nach ihrem Abitur in Deutschland für ein Jahr an eine australische Sudbury-Schule ging. Sudbury-Schüler hätten nie große Probleme gehabt, auf eine Uni zu kommen, oder wohin sie auch immer wollten. Wer die Absolventen erlebe, merke schnell, "dass sie selbstbewusst sind und dass sie wissen, was sie tun". Die Sudbury-Valley-Schule in Massachusetts hat vor drei Jahren eine Studie veröffentlicht, in der sämtliche Ehemalige der letzten 40 Jahre befragt wurden. Mehr als 80 Prozent haben eine akademische Laufbahn eingeschlagen, die meisten erklärten, mit ihrem Leben zufrieden zu sein.

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