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Allensbach-Studie:Kinder, Kitas, Kompromisse

  • Aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach zur Frage, wie Paare Kinderbetreuung und Beruf untereinander aufteilen.
  • Das Ergebnis ist wenig überraschend: Zwar wünscht sich die Hälfte eine gleiche Aufteilung, der Realität hält dieser Wunsch allerdings nicht stand.
  • Nur 18 Prozent der jungen Väter teilen sich die Verantwortung für Ihr Kind mit der Partnerin zu gleichen Teilen.
  • Nur vier Prozent aller Eltern von Kleinkindern arbeiten beide in Teilzeit.

Von Anne Kostrzewa

Gelebte Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung entspricht nicht den Idealen der Eltern

Erwarten Berufstätige ein Kind, stehen sie vor der Frage, wie sie Arbeit und Kinderbetreuung aufteilen wollen. Dass dabei Wunsch und Realität oft auseinanderklaffen, zeigt eine am Dienstag im Bundesfamilienministerium vorgestellte repräsentative Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Fast die Hälfte der 3151 befragten Eltern kleiner Kinder wünscht sich gleiche oder annähernd gleiche Arbeitszeiten für beide Partner und eine frühe Kinderbetreuung in Krippe oder Kita.

Das gelingt aber nur gut einem Drittel der Eltern. In den meisten Familien arbeitet der Vater nach der Geburt des ersten Kindes in Vollzeit weiter, während die Mutter nur noch in Teilzeit oder gar nicht mehr berufstätig ist. Für eine klare Mehrheit ändert sich daran mit der Geburt weiterer Kindern nichts.

Mehr als die Hälfte aller Frauen, die zu Hause beim Kind bleiben, würde gerne arbeiten

Dabei hat der Job für Väter wie Mütter einen hohen Stellenwert. Für 92 Prozent der Väter ist die Berufstätigkeit sehr oder ziemlich wichtig. Bei Frauen in Vollzeitstellen sind es 94 Prozent, in Teilzeit 86 Prozent. Und auch mehr als die Hälfte der nicht berufstätigen Frauen würde gern arbeiten. Zudem wünscht sich mehr als die Hälfte der Väter, die Betreuung gleichberechtigt mit der Partnerin zu teilen. Das gelingt nicht einmal jedem Fünften.

Warum läuft es dann bei so vielen Familien dennoch auf das Modell aus Vollzeit und Teilzeit heraus? Knapp die Hälfte der Eltern gab an, sich gleiche Arbeitszeiten finanziell nicht leisten zu können. Bei 45 Prozent der Befragten sperrte sich der Chef gegen familienfreundlichere Arbeitszeiten. Von den 19 Prozent der Väter, die auf ihre Elternzeit verzichteten, hatte mehr als ein Drittel Angst vor beruflichen Nachteilen. Ebenfalls mehr als ein Drittel jener Väter gab an, die Elternzeit sei beruflich zu schwer zu organisieren gewesen.

Die meisten Eltern sehen die Politik in der Pflicht

Der Wiedereinstieg in Vollzeitstellen oder längere Teilzeit gelingt nahezu der Hälfte jener Frauen, die vor der Geburt viel Verantwortung oder ein hohes Gehalt hatten. Frauen in weniger verantwortungsvollen Positionen gelingt das nur in gut einem Drittel der Fälle. Bei jeder fünften Mutter scheitert der Wiedereinstieg an einem fehlenden Betreuungsplatz.

Ein Großteil jener Eltern, die sich gleiche Arbeitszeiten wünschen, aber nicht realisieren können, sieht die Politik in der Pflicht. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte am Dienstag, ihre Koalition habe bereits Lösungsansätze auf den Weg gebracht. Am Wochenende hatte sie mehr 24-Stunden-Kitas angekündigt. Das Elterngeld Plus ermöglicht Eltern, deren Kinder nach dem 30. Juni geborene werden, während des Elterngeldbezugs in Teilzeit zu arbeiten und den dadurch fehlenden Einkommensanteil aufzustocken.

© SZ vom 8.7.2015/dgr
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