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Aktuelle Studie:Ehrenrettung für den Bachelor

Zahlen aus der Untersuchung von Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und Institut der deutschen Wirtschaft.

  • Laut einer aktuellen Studie sind Unternehmen mit ihren Bachelor-Absolventen doch zufriedener als gedacht.
  • Einstiegsgehälter sind demnach fast so hoch wie bei Master-Absolventen, ebenso die Positionen bei Berufsstart und die Chancen, Karriere zu machen.

Von Roland Preuß

Bachelor-Absolventen werden von den Unternehmen mehr geschätzt als bisher gedacht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Hochschulabsolventen, von vielen als Schmalspurakademiker belächelt, fänden mittlerweile in der privaten Wirtschaft "breite Resonanz", schreiben die Autoren der gut 70 Seiten langen Untersuchung. Die Einstiegsgehälter seien fast so hoch wie bei Master-Absolventen, ebenso die Positionen bei Berufsstart und die Chancen Karriere zu machen. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zeigt sich erfreut über diese Ehrenrettung für den Bachelor-Abschluss. "Allen Unkenrufen zum Trotz: Damit kommt auch zum Ausdruck, dass viele Unternehmen die Kompetenzen schätzen, die Bachelor-Absolventen mitbringen", sagt sie.

Die Studie war von ihrem Ministerium gefördert worden und kommt aus Wankas Sicht genau richtig: Vergangene Woche hatte eine DIHK-Umfrage das Gegenteil nahegelegt: nicht einmal die Hälfte der 2000 befragten Unternehmen sahen darin ihre Erwartungen an die Bachelor-Absolventen erfüllt, jedes fünfte gab an, sich in der Probezeit von Bachelor-Absolventen getrennt zu haben.

Nun also die neuen Zahlen - und tatsächlich schürft die Studie des Stifterverbandes tiefer als die Umfrage des DIHK. Die Forscher haben fast 1500 Unternehmen ausführlich online befragt und haben Gehaltsdaten zusammengetragen, allerdings nur von Absolventen der technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern. Das Einstiegsgehalt der Bachelor ist demnach "ungefähr gleich hoch" wie bei Masterabsolventen. Dies ist eine sehr Bachelor-freundliche Lesart der Ergebnisse, denn auch die Studienautoren räumen ein, dass gut die Hälfte der Unternehmen Mastern ein höheres Gehalt zahlt meist zwischen fünf und zehn Prozent.

Die Bachelor würden in der Regel mit den gleichen Aufgaben betraut wie ihre Master-Kommilitonen, etwa als Projektmanager, beim Aufstieg hätten Masterabschluss oder Doktortitel "weiter an Bedeutung verloren", heißt es in der Studie. Dies widerspricht früheren Untersuchungen, die immer wieder deutlich höhere Gehälter für Promovierte feststellen. Eine Untersuchung von 2012 hatte zudem ergeben, dass Bachelor von Universitäten zwar seltener arbeitslos sind als die Absolventen mit den alten Abschlüssen Diplom und Magister, dass sie aber auch deutlich weniger verdienen. Von Armut bedroht sind sie trotzdem nicht, meist erzielen sie zum Einstieg Jahreseinkommen zwischen 30 000 und 40 000 Euro und können den Verdienst dann rasch steigern.

Die Ergebnisse der beiden Studie seien gar nicht so widersprüchlich, sagt Volker Meyer-Guckel, Vizegeneralsekretär des Stifterverbandes. Sein Verband habe eher größere Firmen befragt, die ihre Mitarbeiter oft fortbilden können. Der DIHK dagegen betreut eher kleinere und mittlere Unternehmen.

© SZ vom 30.04.2015/mkoh

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