Akademiker als Zeitarbeiter:Es wird eng für die Zeitarbeit

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Aus diesen Gründen ist Zeitarbeit vor allem für Berufseinsteiger attraktiv, die sich in Ruhe einen Überblick über verschiedene Branchen und Firmen verschaffen wollen. "Mich hat die Möglichkeit gelockt, Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Projekten und Abteilungen zu sammeln", sagt die Wirtschaftsingenieurin Annika Kehrer, die direkt nach ihrem Abschluss 2007 zu Ferchau ging. Seit zwei Jahren ist sie als Projektmanagerin bei der Daimler-Tochter Deutsche Akkumotive eingesetzt, die Hochvoltbatterien für Elektrofahrzeuge entwickelt. Annika Kehrer hat auch schon drei Übernahmeangebote abgelehnt: "Ich will erst noch mehr Unternehmen sehen."

Ähnlich denkt die 28-jährige Betriebswirtin Daniela Leber, die bei Randstad als Buchhalterin angestellt ist: "Man lernt Firmen kennen, in die man sonst nicht so leicht reinkommt, und kann in kurzer Zeit unheimlich viel lernen." Die Kehrseite der ständigen Abwechslung ist die Notwendigkeit, Abschied zu nehmen, auch wenn es einem beim Entleiher gerade gut gefällt. "Ich habe ein sehr nettes Team erwischt, das mich voll integriert hat", erzählt Daniela Leber. "Aber man muss sich eben bewusst sein, dass der Einsatz nur eine begrenzte Zeit dauert."

Die akademisch gebildeten Zeitarbeiter sind vor allem in der Industrie gefragt, etwa im Automobil- oder Flugzeugbau. Sie werden vorzugsweise in der Projektarbeit eingesetzt. Für die Entleiher ist das bequem bis zur Verantwortungslosigkeit: Mit dem Ende des Projektes gehen die Mitarbeiter wieder, ohne Kündigungsfrist oder Abfindung. Zudem können die Unternehmen die Arbeitskräfte monate- bis jahrelang unverbindlich erproben, bevor sie einen Kandidaten eventuell abwerben. Von diesem sogenannten Klebeeffekt profitieren durchschnittlich nur etwa sieben Prozent aller Zeitarbeiter, doch Akademiker erhalten weit mehr Angebote als gering Qualifizierte.

"Wir arbeiten mit Unternehmen wie EADS, Siemens oder BMW zusammen, wo viele Leute hinwollen. Diese Firmen sind aber bei Einstellungen vorsichtig geworden. Die Projekttätigkeit bietet ideale Voraussetzungen, sich diesen Unternehmen zu empfehlen", sagt Raymond Opszalski, der die Personalabteilung der DIS AG leitet. Die Zeitarbeitsfirmen erhalten eine Vermittlungsgebühr, wenn ihre Mitarbeiter zu einem Kunden wechseln. "Trotzdem sehen wir das mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn wir müssen dann natürlich neue Leute finden. Und der Markt wird dünner", sagt Opszalski.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Zeitarbeitsbranche besonders unter dem wachsenden Mangel an Fachkräften leiden könnte, weil der Nachwuchs künftig direkt zu attraktiveren Arbeitgebern gehen wird. Die Wissenschaftlerin Elke Jahn vom IAB rechnet allerdings mit einem anderen Verlauf, wie sie ihn bei Studien in Dänemark beobachtet hat: "Je weniger Fachkräfte es gibt, desto teurer und schwieriger wird die Personalsuche für die Unternehmen. Gerade dann wenden sie sich zunehmend an Zeitarbeitsfirmen."

In Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit ist der Klebeeffekt schon jetzt am stärksten. Langfristig könnte die Zeitarbeitsbranche sich also stärker auf ihr Nebengeschäft spezialisieren: die Personalvermittlung.

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