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Aggressionen im Job:Machtspiele der Männer - für Frauen Zeitverschwendung

Gerade Frauen haben damit aber oftmals ein Problem, hat der Wissenschaftler beobachtet: "Frauen tendieren dazu, Aggressionen zu verdammen. Männer haben eher eine Aggressionskultur. Die drückt sich aus in ihren Machtspielchen und ihrem Faible für aggressiven Wettbewerb. Frauen sehen diese Machtspiele oft als Zeitverschwendung."

Frauen müssen umdenken - noch

Solange jedoch Männer in den Führungsetagen in der Mehrzahl seien, bliebe Frauen nichts anderes übrig, als diese Spiele zu spielen, meint der Professor. "Das hängt völlig davon ab, wer die Definitionsgewalt hat. Sollten irgendwann Frauen die Mehrzahl der Chefposten besetzen, werden diese Machtspiele ihre Bedeutung verlieren. Dann wird es ein riesiges Coaching-Angebot für Männer geben, die plötzlich umdenken müssen."

Menschen, die trotz aller versprochenen Vorteile Angst vor Konflikten haben oder sich scheuen, in Meetings laut das Wort zu ergreifen, sollten sich einen Partner suchen, der für sie ihre Ziele vorantreibt, sagt Weidner. Dass das funktioniert, weiß er aus Erfahrung: "Mir ist das am Anfang sehr schwer gefallen. Aber ich hatte einen Geschäftspartner, der sich für mich in die Auseinandersetzungen geworfen hat. Ich habe dafür die Aktenanalyse übernommen, die ihm ein Gräuel war, mir aber leicht fiel. Solche Partner und Netzwerke sind enorm wichtig, wenn man seine Ziele erreichen will. Der Einzelkämpfer ist ein Auslaufmodell. Wenn ich jemanden von meinen Zielen überzeugen will und er sieht, dass ich wichtige Leute in meinem Netzwerk habe, dann hat das auch Auswirkungen auf seine Entscheidung."

Trotzdem will man nicht jeden Kollegen in seinem Netzwerk haben - schon gar nicht die, die Aggressionen in einem auslösen. In diesen Fällen kommen Arbeitnehmer mit der zusätzlichen Energie nicht weiter, räumt Weidner ein: "Wenn mich Maier nervt, muss ich überlegen: Kriege ich Maier weg? Wenn nicht, versuche ich Maier aus dem Weg zu gehen."

Wer keine Ideen hat, soll die Klappe halten

Oftmals hätten Arbeitnehmer auch ein ethisches Problem mit Aggressionen: "Wir sehen sie als etwas Böses. Niemand möchte aber etwas Böses tun. Vielleicht sollten wir einfach die Bezeichnung ändern. Anstatt zu sagen: 'Ich möchte aggressiv auftreten' einfach 'Ich möchte mich für meine Träume engagieren.' Das findet dann wieder jeder positiv."

Allerdings warnt Weidner all jene, die sich einfach nur durchsetzen wollen, um der Macht willen: "Durchsetzungsfähigkeit als Selbstzweck bringt niemanden weiter. Wer keine Ideen hat, die er durchsetzen will, sollte sich zurückhalten." In diesem Fall bleibt der Boxsack im Fitness-Studio, um Aggressionen abzubauen.

© sueddeutsche.de/joku/bön
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