Aggressionen im Beruf "Glück, dass wir da heil rausgekommen sind!"

"Dass wir attackiert werden, kommt häufig vor": Polizisten bei der Arbeit.

(Foto: dpa)

Viele Polizisten, Kontrolleure, Lehrer und Sozialamtsmitarbeiter erleben Gewalt im Beruf. Fünf Betroffene erzählen.

Von Juliane von Wedemeyer

Gerade diskutiert das Bundeskabinett darüber, ob Gewalt gegen Polizisten härter bestraft werden soll. Gewalt habe nämlich drastisch zugenommen, auch gegen Feuerwehrleute und Rettungskräfte. Justizminister Heiko Maas hat in dieser Woche den entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt: Er fordert drei Monate Haft für Pöbeleien, bis zu fünf Jahre Haft für schwerere Angriffe. Mit Attacken, zumindest mit verbalen, haben auch andere Berufsgruppen zu kämpfen. Fünf Menschen erzählen, wie sie damit umgehen.

Die Polizistin

"Dass wir attackiert werden, kommt häufig vor. Das ist die Standardsituation und passiert schon bei normalen Verkehrskontrollen. Herkunft und Alter der Leute spielen dabei gar keine Rolle, sondern eher das Bild, das die Leute von der Polizei haben. Ich wünsche mir, dass man Polizisten respektvoller begegnen würde.

Neulich hat mich eine ältere Dame beschimpft, vor ein paar Monaten eine Familie mit drei kleinen Kindern. Die Eltern hatten sie im Auto nicht ordnungsgemäß angeschnallt, auch den Säugling nicht. Als ich die Erwachsenen daraufhin belehrt habe, haben sie mir vorgeworfen, ich würde sie wie Schwerverbrecher behandeln, und gesagt, dass sie sich bei meinem Chef beschweren würden.

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Manche machen das tatsächlich. Ich finde es richtig, dass die Bürger die Möglichkeit der Dienstaufsichtsbeschwerde haben. Verständnis habe ich für die aufgebrachten Reaktionen aber meistens nicht, weil die Leute in diesem Moment ihr eigenes Fehlverhalten einfach hintenanstellen. Eine Diskussion bringt dann nichts. Trotzdem versuche ich immer erst mal, an den Verstand zu appellieren. Ich bleibe dabei in der professionellen Schiene, nehme nichts persönlich: Ich stehe als Polizeibeamtin vor ihnen, nicht als Josefine.

Trotzdem lasse ich mich nicht beleidigen. Wenn mich jemand beispielsweise 'Bullenschwein' nennt, was öfter passiert, schreibe ich eine Anzeige. Körperlich angegriffen wurde ich noch nie. Aber ich erlebe regelmäßig, dass vor allem meine männlichen Kollegen getreten oder geschlagen werden. Meistens stehen die Täter dann unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

Solche Situationen werten wir hinterher immer aus: Was hätten wir anders, was besser machen sollen? Aber manchmal sagen wir auch: Mensch, wir hatten echt Glück, dass wir da heil rausgekommen sind!"

Der Kontrolleur

"In meinem Job braucht man viel Fingerspitzengefühl. Nach einem Knöllchen wollen die Bürger oft erst einmal ihren Frust loswerden. Dabei geht es meist gar nicht um mich, sondern um die ganze Gemeinde. Nach dem Motto: 'Na, braucht die Gemeinde wieder Geld?' Oder: 'Dies und das läuft schief, und Sie kümmern sich hier um die Falschparker!'

Vor acht Wochen beispielsweise wurde ein Herr sehr, sehr laut. Ich ließ ihn reden und reden. Und irgendwann habe ich gesagt: 'Das ist fei ungesund. Es geht hier um zehn Euro und darum, ob sie für Ihren Fehler die Verantwortung übernehmen oder nicht.' Das hat ihn komplett rausgebracht, aber danach war ein ganz normales Gespräch möglich. Er hat bezahlt und gesagt: 'Es ging mir nicht um die zehn Euro, sondern ums Recht.'