Admission Essay Lockerer Ton, klare Aussage

Wer an einer namhaften Business School studieren möchte, muss zuvor einen Bewerbungsessay schreiben. Dabei geht es auch darum, seine Motivation überzeugend zu formulieren.

Von Theresa Tröndle

Zeugnisse, Referenzschreiben, Lebenslauf und ein Sprachtest sowie der Graduate Management Admission Test (GMAT), der Sprachkenntnisse und mathematische Grundlagen abfragt, sind wichtige Elemente im anspruchsvollen Bewerbungsverfahren fürs Studium an einer renommierten Business School. Sie sagen aber nur wenig über die Persönlichkeit des Kandidaten aus. Diese Lücke schließt der Bewerbungsessay.

"Der Bewerbungsessay ist das einzige flexible Element in einem sonst eher mechanischen Bewerbungsprozess", sagt Tobias Dauth, der im Zulassungskomitee der Leipzig Graduate School of Management (HHL) sitzt. Der Admission Essay bietet den Bewerbern die Chance, der Hochschule einen Eindruck von ihrer Persönlichkeit zu vermitteln. Im Idealfall zeigt der Text, dass sich der Bewerber intensiv mit der Hochschule auseinandergesetzt hat, motiviert ist und weiß, was er erreichen möchte. Wichtig sei, dass die Interessenten auch darlegen, was sie geben können: "Sie sollten klare Vorstellungen davon haben, welche Ziele sie mit dem Programm verfolgen und welche Qualifikationen sie mitbringen, von denen ihre Kommilitonen profitieren können", sagt Ralf Bürkle, Sprecher der Mannheim Business School.

Das Hauptkriterium dafür, ob ein Bewerber an der gewünschten Business School angenommen wird, ist der Essay aber nicht. "In den letzten Jahren ist an der HHL niemand ausschließlich wegen seines Essays ausgesiebt worden", erinnert sich Dauth. Umgekehrt kann er bis zu einem gewissen Grad ein schlechtes Abschneiden im GMAT oder dem Sprachtest ausgleichen.

Bewerber sollten einen locker-leichten Ton finden, der neugierig macht, und ihre Motivation auf ein bis zwei Seiten knapp und präzise formulieren. "Eine klare Struktur, saubere Formatierung und keine Rechtschreib- oder Flüchtigkeitsfehler sollten selbstverständlich sein. Schließlich haben die Bewerber ausreichend Zeit zum Schreiben", sagt Bürkle. Wichtig ist auch das optische Erscheinungsbild. Grelle Farben, riesige Logos und bunte Grafiken rufen einen Werbeeffekt hervor, der nicht an jeder Hochschule gut ankommt. "Auf Effekthaschereien sollte verzichtet werden", sagt Dauth von der HHL.

Auch zur Bewerbung an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht (EBS) in Oestrich-Winkel (Hessen) gehört ein Motivationsschreiben. Doch liegt der Fokus eher auf dem sich anschließenden persönlichen Gespräch, zu dem überzeugende Bewerber eingeladen werden. Dieses ist an den meisten Business Schools der zweite und letzte Schritt im Bewerbungsverfahren. An der Mannheim Business School müssen die Kandidaten zusätzlich eine Fallstudie lösen und bei einem zweiten Interview bestehen.

An der EBS hält der Bewerber im Vorstellungsgespräch einen kurzen Vortrag zu einem selbstgewählten Thema, etwa zu einem Hobby, sozialem Engagement oder zu einer politischen Fragestellung. "Interviews sind facettenreicher als ein bis zwei Seiten Text. In dem einstündigen Gespräch lernen wir den Bewerber kennen und können beurteilen, ob er zu uns passt", sagt Anna Schneider, Sprecherin der EBS.

In den USA gehören ein- bis zweiminütige Bewerbungsvideos ebenso zum Alltag, wie der Einsatz von Robotern für Interviews. "In Deutschland gibt es Vorbehalte gegenüber dieser Technik", sagt Dauth und spielt damit auf den Datenschutz und die Wertschätzung gegenüber dem Bewerber an. Er findet, dass innovative Bewerbungsformat auch deutsche Business Schools bereichern würden, sieht aber gleichzeitig die Gefahren, die diese mit sich bringen: "Der Essay gehört zur ersten Stufe der Bewerbung, auf der wir ein möglichst objektives Bild des Kandidaten erhalten möchten", sagt Dauth. Ein Ziel, über das Bewerbungsvideos hinausschießen. Aus diesem Grund hat die HHL auch die 2016 entstandene Idee einer App, mit der Bewerber einen kurzen Film über sich drehen sollten, verworfen.

Ein Stück weit kreativ sein, das dürfen Bewerber beim Admission Essay durchaus. Dauth erinnert sich an einen Kandidaten, der seine Fähigkeiten in einzelnen Balkendiagrammen darstellte. "Das war gut zugänglich und ist mir in Erinnerung geblieben." Und darauf kommt es letztendlich an. In Erinnerung zu bleiben, um es in die nächste Runde des Bewerbungsprozesses zu schaffen: das persönliche Interview. Den Führungsetagen ein kleines Stück näher.