14. Juni 2011, 10:20 Finanzcheck nach dem Studium Worauf Berufsanfänger achten sollten

Lohnt sich eine Riester-Rente? Und wer braucht eine Hausratversicherung? Mit diesen Fragen wird jeder Berufsanfänger früher oder später konfrontiert - gut, wenn er dann weiß, worauf zu achten ist. Ein Überblick.

Von Charlotte Theile

Mit dem Berufseinstieg beginnt es endgültig, das Erwachsenenleben. Das Zeitungsabo kostet plötzlich viel mehr, die Bahncard sogar das Doppelte als vorher und die Rabatte beim Pizzabäcker oder Friseur fallen jetzt weg. Richtig kompliziert wird es, wenn man sich nun, mit dem ersten richtigen Gehalt, auch um Versicherungen, Altersvorsorge oder die Rückzahlung von Studienkrediten kümmern muss. Die SZ fasst zusammen, was jetzt zu tun ist.

Nicht nur Grund zur Freude: Spätestens nach dem Studienabschluss müssen sich Absolventen Gedanken um ihre Finanzen machen.

(Foto: ddp)

[] Krankenversicherung suchen: Wer eigenes Geld verdient und älter als 25 Jahre ist, fliegt aus der günstigen und bequemen Familienversicherung heraus. Nun muss man sich für eine andere Versicherung entscheiden, wobei für die meisten Berufsanfänger nur die gesetzlichen Kassen in Frage kommen. Kaum einer verdient schon so viel, dass er sich privat versichern kann. Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW rät, bei unabhängigen Vergleichsportalen wie Stiftung Warentest zu prüfen, welche Kasse welche Leistung bietet.

Einer legt zum Beispiel Wert auf homöopathische Zusatzangebote, dem anderen ist wichtig, dass Reise-Impfungen übernommen werden. Zudem sollte man beachten, welche Kasse "beitragsstabil" ist, also in den letzten Jahren keine Zusatzbeiträge verlangt hat. Wer häufig für kurze Zeit außerhalb der EU unterwegs ist, für den lohnt sich eine Auslandskrankenversicherung, die es schon für etwa fünf Euro im Jahr gibt.

[] Weitere Versicherungen abschließen: Darüber hinaus sollte jeder, "absolut jeder", eine private Haftpflichtversicherung abschließen, empfiehlt Weidenbach. Die kostet knapp 60 Euro im Jahr und greift immer dann, wenn man anderen einen Schaden zufügt. Das kann erstens leicht passieren und zweitens ziemlich teuer werden. "Schlimmstenfalls zahlt man sein Leben lang Rente", warnt die Verbraucherschützerin. Ein weiteres Muss: die Berufsunfähigkeitsversicherung. Wer durch Krankheit oder einen Unfall weniger oder gar nicht mehr arbeiten kann, rutscht sonst schnell auf Hartz IV ab - ein großes Risiko, das jeden treffen kann. Auch eine Risikolebensversicherung ist sinnvoll. Aber nur, wenn nach dem Ableben Hinterbliebene versorgt werden müssen oder hohe Kreditforderungen vererbt würden. Wer einen Hund hat, schließt darüber hinaus eine Tierhaftpflicht ab, wer ein Auto hat, muss eine Kfz-Haftpflicht haben. Alles Weitere, wie zum Beispiel die Hausratsversicherung, ist nur dann notwendig, wenn man sehr wertvollen Besitz im Haus hat.

Was Azubis verdienen

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[] Sparen und Geld anlegen: Mit dem ersten Gehalt erleben viele eine angenehme Überraschung: Gegen Ende des Monats ist tatsächlich noch Geld auf dem Konto. Was fängt man damit an? Die unabhängige Finanzberaterin Stefanie Kühn rät Berufsanfängern zum Aufbau einer Notfallreserve: "Drei bis fünf Nettomonatsgehälter, die man flexibel und schnell erreichbar auf dem Tagesgeldkonto platziert, sind eine sehr gute Idee. So hat man einen Rückhalt, falls etwas schiefgeht und zum Beispiel kurze Phasen der Arbeitslosigkeit überbrückt werden müssen."

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In den ersten Monaten im neuen Job sind jedoch oft noch einige Anschaffungen zu machen. "Bürokleidung oder eine neue Wohnung sind typische Ausgaben zum Berufsstart", erklärt Kühn. In dieser Zeit nicht zu sparen, sei daher völlig in Ordnung. Wer die Probezeit überstanden hat und langfristig plant, kann dann einen Teil seines Tagesgeldkontos in Festgeld umschichten.

Für die Altersvorsorge empfiehlt es sich darüber hinaus, sein Geld in Aktienfonds anzulegen. Hier muss sich jeder die Mühe machen, die verschiedenen Fonds eingehend zu studieren. Vergleichsrechner im Internet oder Fachzeitschriften bieten günstigen Rat. Wer sich für einen Fonds entscheidet, sollte sich über seine Risikomentalität im Klaren sein. Auch empfiehlt es sich, einen Fonds zu wählen, der weltweit agiert und nicht nur auf ein Land oder eine Branche setzt. Zudem rät Kühn, sich für einen Fonds ohne Ausgabenaufschlag zu entscheiden.

Riester-Sparen hält die Finanzexpertin für Akademiker, selbst bei Berufseinsteigern, für wenig sinnvoll: "Das lohnt sich vor allem für Geringverdiener." Die Zulage von 154 Euro macht bei niedrigen Sparbeträgen deutlich mehr aus. Allerdings: Wer noch keine 25 Jahre alt ist und riestern möchte, erhält bei Vertragsabschluss einmalig 200 Euro.

Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW hält daher nichts von Pauschalurteilen: "Auch für gut verdienende Akademiker kann riestern interessant sein - die Sparbeiträge sind schließlich steuerlich absetzbar." Der Verbraucherschützer findet: "Jeder sollte zumindest prüfen, ob Riester-Sparen für ihn Vorteile bietet."

"Stöhn doch mal"

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[] Mieten, wohnen, bauen: Zum Start ins eigene Leben gehörte früher wie selbstverständlich das Eigenheim. Heute wollen immer weniger junge Leute sofort in die eigenen vier Wände. Kaum einer weiß schließlich, ob ihn sein Job nicht doch in eine andere Stadt führen wird. "Wer trotzdem eine Wohnung kaufen oder ein Haus bauen will, sollte 20 Prozent Eigenkapital verfügen, um einen Kredit zu bekommen. Zudem erleichtert es die Verhandlung mit der Bank erheblich, wenn die Probezeit beendet ist und ein festes Arbeitsverhältnis besteht", sagt Finanzberaterin Kühn. Eine derart langfristige Entscheidung sollte daher nicht in den ersten Monaten des Berufslebens getroffen werden.

[] Bafög zurückzahlen: Wer während des Studiums Bafög erhalten hat, muss fünf Jahre nach dem Ende der Regelstudienzeit mit der Rückzahlung beginnen. Vorausgesetzt, er verdient mehr als 1070 Euro im Monat, andernfalls wird die Rückzahlung nach hinten verschoben. Maximal 10.000 Euro sind jedoch irgendwann fällig - entweder als Monatsraten oder man zahlt gleich alles auf einmal. Als Bafög-Empfänger kann man sich zudem von der GEZ befreien lassen. Mit der Exmatrikulation fällt aber auch diese Vergünstigung weg - jetzt müssen monatlich 17,98 Euro an die Rundfunkanstalten bezahlt werden.

[] Studienkredite tilgen: Ein privater Studienkredit ermöglicht es Studenten, sich ganz auf die Vorlesungen zu konzentrieren ohne nebenher jobben zu müssen. Beim Start ins Berufsleben müssen diese Schulden allerdings zurückgezahlt werden. Schon beim Abschluss des Kredits sollte man daher darauf achten, dass nicht direkt nach dem Examen mit der Rückzahlung begonnen werden muss. So hat man in den ersten Jahren, in denen häufig noch wenig verdient wird, Zeit, für die Rückzahlung zu sparen.

[] Unterhalt: Bis zum Ende der ersten Ausbildung sind die Eltern zur Unterhaltszahlung verpflichtet. Wer diese beendet hat und selber Geld verdient, kann keine Unterstützung mehr erwarten, auch Kindergeld gibt es dann nicht mehr. Was viele nicht wissen: Die Unterhaltspflicht funktioniert auch umgekehrt. Wer Eltern hat, die bedürftig sind, muss im Ernstfall für sie aufkommen - vorausgesetzt er verdient genug.