WortschatztruheKnolling zeigt die Ästhetik der Ordnung

Lesezeit: 1 Min.

„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.
„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz. Illustration: Julia Schubert

Eine Wortschatztruhe über wunderschöne Zwangsneurosen.

Von Sarah Beha

Den Begriff kennst du vielleicht nicht, das Phänomen aber bestimmt: Alltägliche Dinge akkurat parallel oder im rechten Winkel zueinander legen und das ganze von oben herab blickend fotografieren – das ist Knolling.

Den Namen vergeben hat 1987 der Hausmeister eines amerikanisches Möbelherstellers: Andrew Kromelow sortierte liegengebliebenes Werkzeug, fotografierte das Ganze und nannte es „Knolling“, angelehnt an eine Möbelmarke namens Knoll, die bekannt ist für ihr kantiges, symmetrisches Design.

Richtig populär wurde Knolling dann durch den amerikanischen Künstler Tom Sachs, der den Slogan „Always Be Knollling“ in einem seiner Videos einführte:

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So simpel die Idee eigentlich wirkt, hinter Knolling verbirgt sich ein sehr interessantes Phänomen: Wir schauen uns diese Bilder nicht nur aus Liebe zur Symmetrie und Ordnung an, sondern auch, weil die Gegenstände in einem anderen Kontext dargestellt werden und nicht mehr als Bedeutungsträger, sondern als etwas viel Abstraktares wahrgenommen werden, erklärt der Psychologe Johan Wageman in einem Interview.

Andrew Kromelow und Tom Sachs sind natürlich längst nicht mehr die einzigen, die knollen. Der Blog thingsorganizedneatly von Austin Radcliffe oder der Instagram Account Flatlays sind ein Sammelsurium von perfekt geordneten Dingen aller Art.

Knolling ist nicht nur auf Instagram sehr beliebt, sondern wird auch gerne als Produktillustration benutzt. Denn was ursprünglich einfach das Sortieren von Arbeitsutensilien war, ist mittlerweile mehr zu einer akkuraten Ansammlung von schönen Dingen geworden:

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Wer gerade keine Sammlung von schönen Hipster-Accessoires bei sich zu Hause rumliegen hat, muss trotzdem nichts aufs Knolling verzichten. Denn knollen lässt sich wirklich fast alles.

Das Frühstück:

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Legosteine:

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Sogar das eigene Baby:

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Und natürlich alles, was man so am Arbeitsplatz findet:

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Moment mal, Dinge am Arbeitsplatz sortieren, neu ordnen und sich dabei an eine unlogische Regel halten? – Prokrastination war wohl nie ästhetischer.

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