WGEins zum Schlafen, eins zum Arbeiten, eins für Sex

„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.
„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.
Illustration: Julia Schubert

In der WG unserer Autorin teilen sich die vier Bewohner alle Zimmer.

Lou Zucker

Ich bin die Letzte, die ins Schlafzimmer kommt. In der Dunkelheit versuche ich auszumachen, wo noch ein Platz für mich im großen Viererbett frei ist. Andi liegt diagonal über der ganzen rechten Doppelmatratze. Luca schläft anscheinend heute mit seiner Freundin im Sexzimmer. Ich kuschele mich also links an die Wand neben Milan und während ich mich von sanften Schnarchgeräuschen in den Schlaf wiegen lasse, nehme ich mir noch ganz fest vor, morgen beim ersten Weckerklingeln aufzustehen – nicht dass ich wieder Ärger kriege, wenn ich eine Stunde lang die Schlummerfunktion benutze und alle aufwachen, außer mir.

Wenn ich anderen davon erzähle, wie ich wohne, blicke ich oft in fassungslose Gesichter. „Was, du schläfst mit allen deinen drei Mitbewohnern in einem Zimmer?!?“ Ja. Und nicht nur das. Wir teilen uns auch ein Arbeitszimmer und ein Wohnzimmer. Außerdem haben wir noch ein Zimmer für Privatsphäre, das wir der Einfachheit halber auch Sexzimmer nennen. „Funktionales Wohnen“ nennt sich das, weil die Zimmer nicht Personen, sondern Funktionen zugeordnet sind.

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