Wann und wo habt ihr euch zum ersten Mal getroffen?
Frederik: Vor rund 3 Jahren – wir waren alle bei der Eröffnung eines Cafés eingeladen, das Freunde von mir führen.
August: Ich glaube, wir hatten alle das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen würden.
Frederik: Ja! Vor allem August und ich hatten direkt einen Draht zueinander, da wir beide aus Dänemark stammen. Ich bin in Kopenhagen aufgewachsen, bin aber seit elf Jahren in Berlin und arbeite hier als Android Developer. In Berlin habe ich auch Lara kennen gelernt. Nach dem Abend im Café sind August und ich in Kontakt geblieben.
Lara: Ich hab mich echt für Frederik gefreut, dass er mal wieder mit jemandem auf Dänisch quatschen kann – ich hab leider kein Talent für diese Sprache.
Frederik: Ich hatte August erzählt, dass Lara und ich zusammenziehen wollen und eine Wohnung suchen – in Berlin eine echte Herausforderung. Lara: Und ein paar Monate später haben Frederik und ich durch einen Zufall einen wahnsinnigen Glücktreffer gelandet.
…und am Ende der Straße ein Haus am See..? Frederik: Fast! Über drei Ecken haben wir von einer Familie gehört, die für vier Jahre einen Zwischenmieter für ihr Haus gesucht hat, weil sie für einen Job ins Ausland gegangen sind. Wenn auch nur auf Zeit: Wir hatten die Chance, in ein richtig schönes Haus mit Garten zu ziehen! Lara: Uns war sofort klar, dass wir das machen wollen – auch wenn die Miete ziemlich hoch war. Wir sind eingezogen und fühlten uns sofort total wohl.
Frederik: Als ich mal wieder mit August telefoniert hab, erzählte er, dass er umziehen will, aber nichts findet. Da kam mir die Idee, dass wir ihn als Mitbewohner aufnehmen könnten. Unter dem Dach gibt es ein sehr schönes, großes Zimmer mit eigenem Bad. Ich hab mit Lara gesprochen, ob wir das nicht August anbieten sollen und sie war sofort einverstanden.
Wahrscheinlich auch perfekt, um Miete zu sparen? Lara: Die Familie hat uns einen fairen Preis gemacht. Ich hatte aber vor allem ein richtig gutes Bauchgefühl, dass das mit August als Mitbewohner funktionieren wird: Die Idee, dass er mit einzieht, gefiel mir einfach!
August: Ich hab mich total über das Angebot der beiden gefreut und dachte auch gleich, dass das bestimmt gut klappen wird. Ich wollte erst nur für ein paar Wochen bleiben. Aber daraus sind jetzt schon anderthalb Jahre geworden. Ich hab ehrlich gesagt irgendwann aufgehört, weiter nach einer eigenen Wohnung zu suchen. Lara: Du kannst gerne noch bleiben!
Wie ist das für euch als Paar, Frederik und Lara, einen Mitbewohner zu haben? Lara: Super! Wir sind sowieso sehr offen und haben sowieso häufig Freunde zu Besuch – zum Essen, zum Filmegucken, für einen Spieleabend oder im Sommer zum Grillen. August gehörte schnell wie selbstverständlich dazu. Wir teilen uns die Küche mit ihm, aber sonst haben wir alle auch genug Raum für uns. Trotzdem genießen wir es, dass mal noch jemand da ist, mit dem man sich über andere Themen unterhalten kann. Und für die Männer ist es cool. Wenn ich mal nicht da bin, machen sie sich ein Bier auf und quatschen.
Habt ihr Regeln, nach denen ihr das Zusammenleben organisiert? Frederik: Eher nicht, würde ich sagen. Also irgendwie schon, wir haben nur nie drüber gesprochen. August: Ja, das war gar nicht nötig, oder? Wir achten alle darauf, dass es den jeweils anderen gut geht. Lara: Absolut. Man nervt sich einfach nicht. Wir machen Dinge gemeinsam, wenn es sich ergibt, aber es ist kein Muss. Wir sehen uns tagsüber kaum: Ich arbeite im Büro, August auch – er ist Berater. Frederik ist im Homeoffice. Wir sehen uns oft morgens in der Küche, dann reden die Jungs zwischendurch immer mal Dänisch oder wir sprechen alle auf Englisch miteinander. Danach startet jeder für sich in den Tag. Wenn ich abends nach Hause komme, koche ich mir was. Da ist August meistens in seinem Zimmer. August: Ich hab immer das Gefühl, du brauchst da erst mal deine Ruhe, oder?
Lara: Ja, das stimmt. Darüber haben wir auch nie gesprochen, aber ich glaube, das ist eben eine dieser ungeschriebenen Regeln, an die wir uns alle drei halten. Wir zeigen einfach Respekt, weil das für uns selbstverständlich ist. Und wir vertrauen einander. Klar, da ist dann auch mal die Küche so unordentlich, dass man denkt, wenn man jetzt keinen Mitbewohner hätte, wäre es vielleicht sauberer - aber vielleicht wär das gar nicht so.
August: Ich hab auch gar nichts unterschrieben. Hättet ihr gern noch einen Mietvertrag gemacht und habt euch nur nicht mehr getraut zu fragen? Frederik: Nein, Quatsch – das ist total okay so. Aber es klappt doch auch so super: Du zahlst einfach monatlich einen Anteil an der Miete. Wir hätten uns getraut, dir das zu sagen, aber wir brauchen einfach keinen.
Ihr vertraut einander blind?
Frederik: Ja, irgendwie schon. Wir sind da nicht naiv, sondern wir haben einfach zusammen die Erfahrung gemacht, dass es gut läuft. Und dass wir nicht alles besprechen müssen. Es gibt viele Dinge im Leben, die man absichern kann und auch sollte. Aber manchmal ist es auch völlig okay, sich auf sein Gefühl zu verlassen. Lara: August nutzt es ja zum Beispiel auch nicht aus, dass das Haus so groß ist. Wir haben ein Gästezimmer, aber es kam noch nie vor, dass seine gesamte Familie hier reingerauscht ist oder so. Er fragt schon mal, ob erunser Auto haben kannst. Aber wenn wir damit unterwegs sind, nimmt er automatisch den Zug oder die Bahn. Ich lasse auch alles liegen: Ich würde nie auf die Idee kommen, irgendwelche Kreditkarten oder meine Unterwäsche wegzuräumen, nur weil August im Haus ist. Ich glaube, man muss halt wirklich ein gewisses Grundvertrauen haben. Und wenn man das anderen schenkt, bekommt man es auch zurück.
