Horst Seehofer, Parteivorsitzender der CSU und Bundesinnen und -heimatminister, hat vergangene Nacht seinen Rücktritt angekündigt – also vielleicht. Zunächst schien es nur eine von drei möglichen Konsequenzen aus dem erbitterten Asylstreit zwischen CDU und CSU. Dann war es plötzlich fast sicher. Dann wieder gar nicht mal so sicher.
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Seehofer hofft anscheinend, mit der Androhung seines Rücktritts ein Einlenken der CDU zu provozieren: Wenn Merkel ihm gebe, was er fordert, wolle er bleiben. Das Ganze bietet sich dar wie ein „Erpressungsversuch auf offener Bühne“. Ob Merkel nachgibt oder Seehofer tatsächlich geht – darüber wird nun also weiter verhandelt werden müssen.
Es sind dramatische Stunden, die natürlich auch an den Twitter-Nutzern nicht vorbeigehen. Sie fühlen sich von Seehofers Meinungs- und Stimmungsschwankungen immerhin an eine eigene aufregende Lebenszeit erinnert: ihre Pubertät.
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Anderen kommt das Ganze eher vor wie ein Wettkampf zwischen zwei Egos und deren Teams: Angela Merkel gegen Horst Seehofer, CDU gegen CSU. In Anlehnung an die Hashtags zur Fußball-WM schicken hunderte Nutzer also die Protagonisten in ein eigenes Match: #MERSEE. Den Hashtag gibt es zwar schon länger – allerdings wurde er nie so häufig verwendet wie in der vergangenen Nacht und in den frühen Morgenstunden.
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Und ganz wie bei der Fußball-WM, so vermuten die Twitter-Nutzer, gehe das Zinnober natürlich auch am Rest der Welt nicht spurlos vorbei. Nicht nur die deutsche Bevölkerung sei von den Entscheidungen oder Nicht-Entscheidungen eines Seehofers betroffen – auch Spitzenpolitiker aus anderen Ländern seien sicher gespannt auf die weiteren Entwicklungen.
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Besonders die Menschen, die Seehofer gerne nicht mehr in hohen politischen Ämtern sähen, ärgern sich öffentlich über das Hin und Her des CSU-Politikers. Schließlich müssten sie nun ständig checken, ob er denn nun „endlich“ zurückgetreten sei. So könne doch kein Mensch arbeiten!
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Inzwischen hat sich, weil es auf Twitter ja nicht immer so ganz bitterernst zugeht, aber auch schon ein neuer Hashtag etabliert: #Seehofersongs. Damit machen sich hunderte Nutzer den Spaß, die Situation auch musikalisch zu inszenieren – natürlich bebildert mit einem Seehofer, der an einem Keyboard zu musizieren versucht/vorgibt, das nicht an den Strom angeschlossen ist.
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Der Hashtag, so vermutet man, sei vor allem aus Unterhaltungsgründen entstanden – damit die Journalisten, die noch immer auf Antworten warten, sich die Zeit vertreiben könnten.
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Am Ende zeichnet sich – trotz der Tatsache, dass man aus diesem Rücktritts-Hin-und-Her wunderbar lustige Twitterphänomene schaffen kann – ab, dass die meisten Nutzer für den sofortigen Rücktritt Seehofers sind. Das wäre ihnen zufolge nur konsequent. Anders könne man den Politiker doch nicht mehr ernst nehmen.
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Er habe sich mit seiner Drohung verzockt – auch deshalb, weil sein Rücktritt als Konsequenz des Asylstreits schlichtweg unlogisch sei.
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Ob die Hoffnungen der Twitter-Mehrheit erfüllt werden, wird sich vermutlich bald zeigen. Die Bundeskanzlerin jedenfalls kommt schon wenige Stunden nach dem großen Knall wieder in der Zentrale ihrer Partei an – vermutlich um Schadensbegrenzung zu betreiben.
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