OrtsterminRomantik mit der Schrotflinte

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Lässt sich mit dem perfekten Internetprofil der Traumpartner finden? Wie Online-Plattformen unsere Partnersuche verändern

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Also: Männer verfahren beim Flirten nach dem „Schrotflintenprinzip“. Sie schicken gerne mehrere hundert Mails raus, in der Hoffnung, dass irgendeine schon gut ankommen wird. Deswegen kann es passieren, dass eine Frau eine Mail mit den Worten "Du siehst toll aus, ich würde Dich gerne kennenlernen" erreicht, obwohl sie in der Partnerbörse überhaupt kein Foto von sich hoch geladen hat. Frauen kontaktieren Männer da schon gezielter. So in etwa lauten Eröffnung und Fazit einer Expertenrunde mit dem Titel „Die Evolution der Partnersuche – die neuen Spielregeln bei der Partnerwahl und im Zusammenleben“. Geladen hat die Dating-Plattform www.neu.de, die neuerdings mit dem Claim „Hier verliebt man sich“ wirbt. Die Macher der Seite initiierten im Münchner Literaturhaus eine Expertenrunde, moderiert von der Autorin Kim Fisher, denn: Wer heute noch jemanden in einer Bar anspricht, sich beim Bäcker kennenlernt oder sonst irgendetwas dem Zufall überlässt, gehört einer Minderheit an. Fast 70 Prozent der deutschen Singles daten online, so Geschäftsführer Joachim Rabe. Es geht an diesem Tag in München um Frauen und um Männer, um Liebe und um Sex, und es geht um Romantik und das Internet. Auf den Tischen liegen Rosenblätter verstreut, in silbernen Schalen warten Erdbeeren und dazu wird ein Getränk mit unaussprechlichem Namen gereicht, dessen Hauptbestandteil Maracuja-Saft ist. Als erster spricht ein Mann, der einen eigenartigen, aber anscheinend zukunftsträchtigen Beruf hat: Henning Wiechers ist „unabhängiger Online-Dating-Experte“ und für die Fakten zuständig. Sechs Millionen Deutsche haben seit 1998 im Internet einen Partner gefunden, zwei Millionen davon sogar eine dauerhafte. Wiechers suggeriert: Erfolg beim anderen Geschlecht ist planbar und hängt von harten Faktoren ab, vor allem aber vom richtigen Bild! Über 100 Zuschriften erreichten Wiechers' weibliche Testprofile allein in den ersten Tagen, wenn sie mit einem ansprechenden Foto versehen waren. Die These von der Planbarkeit stützt Manfred Hassebrauck, Professor für Sozialpsychologie. Er arbeitet seit längerem an der Formel für eine erfolgreiche Beziehung. 1993 habilitierte er über „Informationsverarbeitung in Paarbeziehungen“. Sein vorläufiges Ergebnis: Eine erfolgreiche Beziehung ist der Kompromiss aus Wunsch und Realität. Schwieriger ist die Chose deshalb geworden, weil Frauen einerseits höhere Erwartungen an ihren männlichen Partner haben und andererseits ökonomisch und sozial unabhängiger sind. Ohne einen Gleichklang bei den Basisfaktoren wie "Ähnlichkeit in Bezug auf Lebensentwürfe" und "Bildung und soziale Stellung" geht allerdings nichts über eine Affäre hinaus. Hassebrauck schlägt deshalb vor, bei Dating-Plattformen noch mehr Filter einzubauen, um die Erfolgschancen für ein erfolgreiches "Matching" zu erhöhen. Dann spricht er über effizientes Flirten. Problematisch beim Flirten im Internet sei die „Verschiebung des internen Bezugspunktes“. Weil die Frustration bei einer Online-Abfuhr wesentlich kleiner ausfalle als im Offline-Leben, schätzen viele Teilnehmer ihre Chancen falsch ein. Probleme gibt es dann beim ersten Treffen. Die große Liebe also ein Ergebnis rational kombinierter Basisfaktoren? Gleicher sozialer Stand, selber Attraktivitätsgrad, ähnliche Bildung und guter Sex - fertig ist die Traumbeziehung? Die Frau, deren Name wie ein Nickname klingt, heißt Jurate Baronas, ist Journalistin bei der Cosmopolitan und Buchautorin. „Liebe lässt sich nicht beherrschbar machen“, lautet ihr Credo und plötzlich erscheinen ihre Vorredner als testosteronschwangere Technokraten. Eine Ähnlichkeit in Lebens- und Liebesbiografie könne nämlich selbst die ausgefeilteste Dating-Plattform niemals liefern. „Es geht darum herauszufinden, wer man selbst ist und dieses Gefühl führt einen zum richtigen Partner.“ Dem kann die Autorin des Buches „Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs“, Barbara Sichtermann, nur zustimmen. Mit hoher Stimme spricht die älteste der Runde vom „Eros, der sich nicht vorschreiben lässt, wann er seine Pfeile verschießt“. „Ja nun“, wirft der Dating-Experte ein: „Wir haben halt nun mal auch eine allein erziehende Mutter Ende 30. Die ist halt nicht so leicht vermittelbar.“ „Es geht um Selbsterfahrung“, fährt Frau Sichtermann fort. „Und der Königsweg der Selbsterfahrung ist der des Verliebens. Als Liebende suchen wir das Unvernünftige, hier ist keine realistische Steuerung möglich.“ Professor Hassebrauck nimmt daraufhin das Wort „Kompatibilitätsindizes“ in den Mund, Wiechers sagt, er habe kürzlich mit einem Flirtcoach gesprochen, woraufhin Frau Sichtermann die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Am Ende also haben drei Männer über die Planbarkeit der Liebe gesprochen und zwei Frauen über die unkontrollierbare Macht der Gefühle. Und wir wissen: Mit dem richtigen Bild erhöht man seine Erfolgschancen beim anderen Geschlecht. So viel hat sich anscheinend doch nicht geändert.

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