NetzteilEs gibt eine Selbsthilfe-Gruppe der anonymen Rassisten

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„Ich glaube daran, dass nur eine Macht, größer als ich selbst, mich in meiner Menschlichkeit wiederherstellen kann. Damit ich die nicht-rassistische Kreatur werde, als die Gott mich geschaffen hatte.“ Das ist einer der zwölf Schritte der Anonymen Rassisten. Ja richtig, es gibt in den USA eine Bewegung, dem Prinzip der Anonymen Alkoholiker (und ihrem Zwölf-Schritte-Programm) nachempfunden, in der sich Rassisten Selbsthilfe geben.

Einmal pro Woche treffen sie sich seit etwas mehr als einem Monat in der Trinity United Church of Christ in Concord, North Carolina. Eine Kirche mit Regenbogen im Homepage-Logo, in einem Städtchen im Speckgürtel der Großstadt Charlotte, die ein eigentlich so simples, aber scheinbar so schwer umzusetzendes Signal sendet: Du kannst ein Rassist sein. Aber du musst es nicht bleiben. Sieh ein, dass deine Intoleranz Mist ist und leg sie ab – mit der Hilfe von Gott.

Nathan King, Pfarrer und Vorsteher der Kirche, habe genug von den ganzen Schießereien und Rassen-Kämpfen in den USA gehabt, sagte er der NBC: „Es kam mir so vor, als hielten wir jede Woche mindestens eine Predigt, weil wieder jemand jemanden auf den Straßen ermordet hatte.“

In den 80ern war er dabei, als an seinem Campus Mitglieder des Ku-Klux-Klans aufmarschierten. Deren hasserfüllte Parolen übertönten King und seine Kommilitonen  damals mit „We shall overcome!“-Rufen, dem Refrain eines in den USA bekannten Protest-Songs. In dieser Zeit habe King zu schätzen gelernt, wenn verschiedene Ethnien miteinander, statt gegeneinander leben. „Mir wurde klar, dass es so viel mehr gibt, das wir gemeinsam haben, als Unterschiede zwischen uns – wenn es darum geht, warum wir hier sind und wer wir sind“, sagte er dem Independent Tribune.

Seit dieser Zeit setzt er sich für Austausch und Diversität ein. Die Kirche, der er angehört, engagiert sich auch schon lange für die LGBT-Community.

In Kings Gruppe der Anonymen Rassisten treffen sich etwa ein Dutzend Leute aus allen Schichten. Die meisten seien Gemeindemitglieder, seit Kurzem kämen auch Menschen von außerhalb. „Es ist ein anonymes Treffen, man kann hier ganz frei teilnehmen“, sagt King. Er will die Teilnehmer ermutigen, so viel, oder eben so wenig sie möchten zu den Gesprächsrunden beizutragen.

Als er zum ersten Mal beim Treffen der Anonymen Rassisten war, habe er selbst Schwierigkeiten gehabt, ganz frei über dieses Thema zu reden, das sonst so oft ein Tabu darstellt. „Es war schwer“, sagt King. „Aber von Tag zu Tag habe ich mich wohler gefühlt.“

Er glaube, dass eine Veränderung in der Gesellschaft im Kleinen anfangen muss. Dass er erst seine Mitmenschen  sensibilisieren muss und dass dann, nach und nach, Menschen ihre rassistischen Einstellungen ablegen.

max

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