MusikRadiohead veröffentlichen ersten neuen Song

Lesezeit: 1 Min.

Jetzt

Und unserem Autor ist am Ende egal, wie sie ihn mit ihren Marketingtricks geködert haben.

Von Quentin Lichtblau

Es begann mit zwei Firmengründungen. Ich folgerte: Altes Schema, ein neues Radiohead-Album steht kurz bevor. Dann gestern der digitale Suizid. Ich folgerte: Geniestreich! Radiohead sind Meister der zeitgeistkritischen PR, sie verwehren sich dem gängigen Marketing, um eben gerade dadurch ihr neues Album anzukündigen. Dann heute dieser Clip eines zirpenden Vogels, der aussieht wie ein Ausschnitt aus "Wallace & Gromit":

Instagram

Die SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Instagram angereichert

Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.

Ich folgerte: Peinlich, Kinderquatsch. Musik bitte! Ein Titel! Eine Tracklist! Ein leises Seufzen von Thom Yorke! Irgendwas!

Clickbaiting ist im Indierock angekommen! Hat die beste Band der Welt so ein Social-Media-Versteckspiel denn wirklich nötig? Waren Radiohead nicht mal Anti-Sellout? Hatten sie nicht damals "In Rainbows" ohne großes Aufsehen ins Netz gestellt? Hält Thom Yorke bald Snapchat-Seminare? Was kommt als nächstes, ein Bilderrätsel in 500 Tweets? Ein Instagramstarschnitt? Glauben die ernsthaft, ich lasse mich von ein bisschen Knete in Schnappatmung versetzen? Sowas gehört ignoriert. Über einen zwitschernden Vogel berichte ich nicht, basta.

Dann, ein paar Stunden später: Töne! Ein Streichercrescendo, eine Drummachine-Hihat, die sich synchron zur möglichen Hinrichtung einer jungen Knetfrau durch eine Gruppe Hirschmänner öffnet. Kurz bevor die Hirschmänner mit ihren Schwertern zustechen dann: Blackout!

Instagram

Die SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Instagram angereichert

Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.

Ich folgere gar nichts mehr. Ich schließe alle Browserfenster und gehe auf die Radiohead-Seite, auf der das Video inzwischen auch aufgetaucht ist und drücke Refresh. Wieder. Und wieder. Und wieder.

Bis, endlich, irgendwann am Nachmittag, die Radiohead-Webseite ein weiteres Mal aktualisiert wird und das erste wirkliche Musikvideo da ist: "Burn the Witch" heißt es, und es erzählt in der schon vorher angeteaserten Knet-Optik die Geschichte der verbrannten Hexe.

Ganz zum Schluss zwitschert wieder der Vogel. Er kommt mir vor wie ein alter Bekannter.

Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur Startseite

SZ JetztMusik
:Radiohead begehen digitalen Suizid

Facebook- und Twitter- und Webseite sind komplett leer. Ein Lehrstück für modernes Marketing.

Mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: