InstagramSchaut, wie schön ich helfe!

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.
„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz. Illustration: Julia Schubert

Ein Instagram-Account parodiert die Doppelmoral internationaler Freiwilligenarbeit.

"Und, was machst du so im Sommer?" - "Ich bin Schildkrötenretten in  Nicaragua." Solche Dialoge sind für die einen der Beweis dafür, dass es das noch gibt, das Gute in der Welt. Für die anderen belegen sie nichts anderes als mit Altruismus zugeschmierte Reiselust. Für wieder andere sind sie ein ganz normales Gespräch zum Semesterende.

Ein Instagram-Account hat sich des Phänomens "Voluntourismus", der neben Reisen und Helfen auch Abenteuer und – natürlich! – Persönlichkeitsentwicklung verspricht, angenommen. Auf ziemlich bissige und sehr lustige Art und Weise. In dem Account wird Barbie auf Weltenretter-Mission nach Afrika geschickt, von wo aus sie eifrig Bilder postet, versehen mit hochemotionalen, hochphilosophischen Kommentaren. Aus denen die Ironie nur so raustropft, natürlich.

"Zuerst hatte sie Angst vor meiner weißen Haut", steht da unter einem Bild, das Barbie mit einem schwarzen Baby in einem Tragetuch zeigt. "Aber jetzt weiß ich, wir werden voneinander lernen. Wir sind verbunden durch den Geist und durch unsere Menschlichkeit. Und jetzt auch durch Stoff. Ich fühle mich, als wäre ich die Mutter aller Kinder in diesem Land. Ich wurde dafür auserwählt!"

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Anderswo schreibt Barbie, dass sie die Tränen der bewegten Westler einsammeln will, um Afrika mit Trinkwasser zu versorgen. Und dafür eine NGO gründet, deren Chefin sie wird. Sie schreibt von ihren Erlebnissen, prägt den Begriff Slumfie (Slum + Selfie), erzählt, dass sie es gerade geschafft hat, eine Kaffeepause in ihren stressigen Helferalltag zu quetschen: "Ganz ehrlich: Es ist nicht immer einfach, ich zu sein."

"Wir haben Weiße-Retter-Dinge getan, die wir bereuen"

Die jungen Betreiberinnen des Accounts wollen lieber anonym bleiben. Sie haben sich von dem viel gefeierten Instagram-Account der hipsterkritischen Hipsterbarbie inspieren lassen – und von ihren eigenen Erlebnissen. In einem E-Mail-Interview beichteten sie der Huffington Post, dass sie selbst auch als Voluntouristinnen unterwegs waren. "Wir waren nie so ‘savioresque’ wie Barbie Savior, aber wir haben in unseren Weiße-Retter-Tagen Dinge getan, die wir bereuen." Worauf genau sie mit Hilfe von Barbie Saviour aufmerksam machen wollen? "Es ist manchmal schwer, die Ironie im echten Leben zu erkennen ... den krass selbstbezogenen Menschen, der sich als aufopferungsvoller Heiliger verkleidet."

Am Voluntourismus gibt es viel Kritik. Aus der gesellschaftskritischen Ecke ("Zuhause gibt es doch auch viel zu helfen!"), aus optimierungskritischer ("Die machen das doch nur für den Lebenslauf!") aber auch aus entwicklungspolitischer Ecke. Quartz verweist in seinem Beitrag zu Barbie Saviour auf einen spannenden Artikel, der dazu kürzlich im New York Times Magazine erschienen ist.

Oder, wie die Erfinderinnen der Weltenretterbarbie es formulieren: "Die Haltung, dass Afrika vor sich selbst gerettet werden muss, durch Westler, lässt sich bis in die Zeit von Kolonialismus und Sklaverei zurückverfolgen. Das ist so ein vereinfachter Blick auf einen ganzen Kontinent."

leja

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