IndenSchuhenvonIn den Schuhen von: Speech Debelle, die neue Rap-Hoffnung von der Insel

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.
„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz. Illustration: Julia Schubert

Die Rapperin konnte sich gestern über den Mercury-Musikpreis freuen. Die 25-jährige Newcomerin hat für ihr Debüt-Album „Speech Therapy“ den mit 20 000 Pfund dotierten Preis erhalten und damit einen Überraschungserfolg gelandet.

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Was sind das für Schuhe? Schwarze Lackschuhe mit Riemchenverschluss. Getragen wurden die Schuhe bei der Mercury-Preisverleihung von einer stolzen Speech Debelle. Sie gewann überraschend den begehrten Award, der sich nicht am kommerziellen Erfolg des jeweiligen Künstlers orientiert. Die Schuhe passten zum Anlass, waren aber doch nicht passend zu einer Rapperin, die als neue Hoffnungsträgerin der britischen Rap-Szene gilt. Fernab von Preisverleihungen wählt Speech Debelle wohl eher ihre klassischen Sneakers. Wo kommen diese Schuhe her? Aus dem Londoner Süden kommen die Lackschuhe wahrscheinlich nicht. Die britisch-jamaikanische Migrantentochter führt dort, wie in ihrem Video zu ihrer zweiten Singleauskopplung „The Key“, lieber ihre weißen Sneakers spazieren und rappt über ihr Leben im Schatten der britischen Musikhauptstadt. Und dies tut sie so überzeugend, dass sich die junge Frau jetzt schon zum Kreis der anerkannten Brit-Rapper zählen kann. Über fünf Jahre hat Debelle an ihrem ersten Album herumgebastelt. Eine halbe Ewigkeit im schnelllebigen Musikgeschäft. Doch ihr Produzent Wayne „Lotek“ Benett hat die damals 20-jährige in sein Studio genommen und kann sich nun auch eine große Scheibe von ihrem jetzigen Erfolg abschneiden. Benett ist auch Produzent des berühmten UK-Rappers „Roots Manuva“ und scheint daher zu wissen, wo sich die Rap-Talente in der britischen Hauptstadt verstecken. Weil er von ihrer unschuldigen, aber doch tiefgründigen Art zu rappen überzeugt war, nahm er die bis dahin unbekannte Debelle unter Vertrag. Aufgewachsen ist Corynne Elliot, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, in mittelständischen Verhältnissen. Ihr Debutalbum ist ein Tagebuch, an dem sie schon seit ihrer frühen Kindheit schreibt. Mit neun Jahren fing sie an zu dichten, bis sie dann als 13-jährige auf dem Schulhof zu rappen begann. Die Themen gingen ihr nie aus. Über Liebe und Hass, den treulosen Vater oder die Wichtigtuer aus ihrer Nachbachschaft. Nachdem sie mehrmals von der Schule geflogen war, zerstritt sie sich mit 19 Jahren mit ihrer Mutter, lebte für vier Jahre in einem Hostel und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. An schicke Lackschuhe mit Riemchen war nicht zu denken. Wer ihr Album hört, wird annehmen, dass Speech Debelle sich nach der glamurösen Preisverleihung in ihrem normalen Outfit deutlich wohler fühlt.

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Wo gehen diese Schuhe hin? Im Grunde muss sich Debelle noch ein trittfesteres Paar kaufen. Denn mit ihrem Talent und einem Produzenten mit einem Ohr für große Hits, wird es wohl lange steil bergauf gehen. Ihre Musik wirkt erfrischen leicht gegenüber dem überbordenden männlichen Hiphop-Bling-Bling der vergangenen Jahre. Die BBC schreibt, die Künstlerin mache „Anti-Hip Hop“-Hip Hop mit Kultpotential. Etwas mehr „Lauryn Hill“ hatte die Szene auch dringend nötig. Debelle rennt mit ihrem jazzigen Rap-Stil offene Türen ein. Bei der Preisverleihung sagte selbstbewusste Londonerin, „dass man alles schaffen kann, wenn man daran glaubt und sich etwas zutraut“. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht schon ihr ganzes Leben in das erstes Album gefeuert hat und die Rapperin nicht wieder fünf Jahre warten muss, bis sie ihre schicken Lackschuhe aus dem Schrank holen kann.

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