Wer wenig Geld hat, wird in Deutschland für faul und dumm gehalten. Das schreibt Christian Baron in einem Artikel im Freitag. Er selbst sei als Arbeiterkind lange diskriminiert worden und auch andere arme Menschen in Deutschland müssten mit Stigmatisierung kämpfen. Baron fordert deshalb einen Aufschrei.
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Einen, der die soziale Diskriminierung in Deutschland sichtbar macht. Dafür fordert er die Leser auf, ihre eigenen Erfahrungen mit Armut und der deutschen Zwei-Klassen-Gesellschaft über den Hashtag #unten zu teilen. Und die tun, wie ihnen geheißen.
Seit Donnerstag kommen die Tweets im Sekundentakt. Tausende berichten darin, was „unten sein“ für sie bedeutet. Woran sie merkten, dass sie einmal selbst unten angekommen waren.
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Die meisten leiden allerdings nicht nur unter ihren materiellen Mängeln. Sie leiden wie Baron vor allem auch darunter, wie Wohlhabendere auf Armut reagieren. Viele hätten kein Verständnis dafür, was es bedeutet, arm zu sein. Und wären teilweise genervt davon, wenn sich das Gegenüber etwas nicht leisten kann.
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Viele berichten gleichzeitig, dass sobald sie sich dann doch mal eine Kleinigkeit leisteten, das auch nicht gerne gesehen wird. Sie würden ab diesem Zeitpunkt als „Sozialschmarotzer“ gewertet werden.
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Einige beschreiben deshalb, wie sie unter diesem Druck lange versuchten, sich an Menschen mit Geld anzupassen. Wie sie taktierten, um irgendwie den Verdacht von sich abzulenken, arm zu sein.
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Und doch scheint haften zu bleiben, was andere ihnen eingetrichtert haben. Selbst bei den Menschen, die den sozialen Aufstieg geschafft haben. Sie fühlen sich, so schreiben sie, noch heute wie damals. Wie Blender, die irgendwann enttarnt werden könnten.
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Der Aufstieg gelingt den wenigsten. Viele berichten, wie sie aufgrund ihrer sozialen Herkunft Möglichkeiten verwehrt bekamen, die Kinder aus reichen Familien offengestanden hätten.
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Manchen fällt angesichts all dieser Tweets auch auf, wie komisch es eigentlich ist, dass die Diskriminierung armer Menschen in Deutschland lange nicht besprochen wurde. Woran das liegt, scheint einem Nutzer aber auf der Hand zu liegen: Wer über Armut spricht, wird selbst mit Armut in Verbindung gebracht. Er läuft so Gefahr, selbst sozial diskriminiert zu werden.
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Dass viele aus guten Grund Angst davor haben, für arm gehalten zu werden, zeigt sich übrigens auch am Austausch über den Hashtag. Denn den nutzen nicht nur Betroffene, sondern eben auch die Menschen auf der anderen Seite. Die, die denken, Armut sei immer selbstverschuldet und ein Übel, das Betroffene leicht ändern könnten.
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Sogar in einem Raum, der eigentlich eigens für die Leute geschaffen werden sollte, die sich „unten“ wähnen, wird von „oben“ verbal nachgetreten. Zumindest einen Vorteil hat das: Niemand kann angesichts dieser Konversationen noch leugnen, dass soziale Diskriminierung tatsächlich stattfindet.
lath



