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Zahnpflege:Pille gegen Karies

Nie wieder bohren? Ein neuartiges Antibiotikum tötet schädliche Keime im Mund gezielt ab. Die gesunde Mundflora bleibt davon unberührt.

Monika Kronz

Die Zahl der arbeitslosen Zahnärzte steigt unaufhaltsam. Werbebotschaften mit lächelnden Lippen und schneeweißen Zähnen sind passé - die locken niemanden, weil sie jeder hat. Und mit Geschichten vom Zahnarztbohrer kann man Kinder nicht mehr vom Zähneputzen überzeugen.

Den Schlüssel zur Verwirklichung solcher Visionen haben Forscher der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) in der Hand. Mit einem neuen Wirkstoff wollen sie gezielt dem Kariesbakterium den Garaus machen; die gesunde Mundflora soll davon unberührt bleiben.

Die Forscher arbeiten mit einer international bekannten Firma für Mundhygiene zusammen. Das Endprodukt soll alle paar Tage zusätzlich zum Zähneputzen verwendet werden.

Der Wirkstoff mit der Abkürzung Stamps (selectively targeted antimicrobial peptides) ist eine Kombination aus einem Signalmolekül, das auch beim Karieserreger Streptococcus mutans vorkommt, und einem antimikrobiell wirkenden Eiweißfragment, dem Antibiotikum Novisipirin G10.

Das Signalmolekül verankert den Wirkstoff gezielt an Karieskeimen, das Antibiotikum zerstört dann ihre Membran. Im Gegensatz zu herkömmlichen Antibiotika hat diese Methode den Vorteil, dass sie speziell die Kariesbakterien abtötet.

Die harmlosen Keime im Mund überleben. Würden auch sie verschwinden, könnten Pilze und andere Krankheitskeime die Mundhöhle besiedeln.

Mit Stamps sei es wie mit einer Wiese, auf der Löwenzahn wachse, sagt Wenyuan Shi, leitender Forscher an der UCLA. "Ein gewöhnliches Pflanzenvernichtungsmittel zerstört die gesamte Wiese einschließlich des Löwenzahns. Ein Herbizid, das genau auf den Löwenzahn zugeschnitten ist, zerstört nur ihn. Nach und nach wächst die Wiese in die Lücken und der Löwenzahn kommt nicht mehr zurück." Ebenso verhalte es sich mit dem neuen Wirkstoff.

Immerhin besitzen 30 Prozent aller Amerikaner natürlicherweise keine Kariesbakterien, und trotzdem siedeln sich an deren Stelle keine anderen schädlichen Bakterien an.

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