Süddeutsche Zeitung

Zahnmedizin:Was Sie über Zahnimplantate wissen sollten

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Was bei dem Eingriff passiert, für wen der Ersatzzahn infrage kommt und wer die Kosten trägt: Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Clara Lipkowski

Ist ein Implantat in meiner Situation die richtige Entscheidung? Wer bezahlt die Behandlung und wie läuft so etwas eigentlich ab? Wer sich für ein Zahnimplantat entscheidet, hat viele Fragen.

In welchen Fällen werden die Implantate eingesetzt - und in welchen nicht?

Implantate werden eingesetzt, wenn Menschen Zähne verloren haben - durch Alltagserkrankungen wie Karies oder Zahnfleischentzündungen, nach Unfällen, etwa beim Sport- oder im Straßenverkehr oder nach Tumorentfernungen. Implantate werden auch künstliche Zahnwurzeln genannt. Die meisten Implantate werden älteren Menschen eingesetzt, Kindern und Jugendlichen nicht, da sich die Knochen noch im Wachstum befinden. Schwierig ist der Eingriff oft bei Menschen, die nach einer Bestrahlung im Kieferbereich oder nach einer Chemotherapie gesundheitliche Probleme haben. Dann wird im Einzelfall entschieden. Unabhängig von der Ursache muss stets vorab geklärt werden, ob der Patient in der Lage ist, nach dem Eingriff das Implantat selbständig zu pflegen. Osteoporose im Alter ist nicht zwangsläufig ein Ausschlusskriterium, da die Knochenbeschaffenheit im Kiefer eine andere ist als im Körper und der Kiefer nicht vom Knochenschwund betroffen sein muss.

Worin bestehen Risiken?

Patienten sollten vor einem solchen Eingriff mögliche Materialunverträglichkeiten abklären. In der Regel werden im Implantat Schrauben aus Keramik oder Metall, meist Titan, verwendet. Etwa 19 Prozent der Patienten haben Karies, wenn sie sich für ein Implantat interessieren; Parodontitis haben etwa 25 Prozent der Patienten. Jede dieser Erkrankungen muss vor dem Eingriff vollständig abgeheilt sein. Starkes Rauchen nach der Implantation kann zu Entzündungen und Verlust des Ersatzzahns führen.

Wie läuft der Eingriff ab?

Der Patient wird in der Regel lokal betäubt. Ähnlich wie beim handwerklichen Schrauben bohrt der Chirurg mit einem kleinen Bohrer ein Loch in den Kiefer, das er je nach Bedarf mit einem größeren Bohrer erweitert. Dann wird in den meisten Fällen eine Schraube mit Gewinde eingesetzt. Darauf kommt ein Aufbauteil. Darüber wird das Zahnfleisch wieder verschlossen. Nach einer Einheilphase, die mehrere Wochen oder Monate dauern kann, wird die Krone aufgesetzt, in Ausnahmefällen auch sofort. Es gibt mehr als 100 verschiedene Systeme, Zahnersatz zu implantieren. Welche Variante geeignet ist, wird je nach Einzelfall entschieden.

Halten die Implantate dauerhaft?

Wie lange ein Implantat im Mund verbleiben kann, ist stark von der Mundhygiene abhängig. Bei systematischer Pflege halten 97 Prozent der Implantate fünf Jahre und länger. Patienten im mittleren Alter wählen meist festsitzende Implantate, im höheren Alter sind herausnehmbare Prothesen mitunter die bessere Wahl, weil sie einfacher zu reinigen sind.

Was kostet es und wer zahlt es?

Die Kosten sind abhängig vom Implantat und dem Aufwand des Eingriffs. Oft liegen sie bei mehreren Tausend Euro, die etwa für Untersuchungen, Röntgenaufnahmen, Material und die Operation fällig werden. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur in besonders schweren Fällen, etwa nach Unfällen oder Tumorerkrankungen und wenn das Gesicht stark entstellt ist. Experten raten, sich vom behandelnden Arzt einen Kostenvoranschlag geben zu lassen und diesen mit der Krankenversicherung zu besprechen.

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Quelle:
SZ vom 26.11.2019
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