Wie krank macht Schimmel?:Tests auf Schimmelallergien sind unzuverlässig

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Forscher vom Institut Pasteur in Paris fanden vor einigen Jahren aber heraus, dass sich auf der Oberfläche der Sporen Eiweiße befinden, die sie quasi "unsichtbar" für das Immunsystem machen, sodass der Körper kein IgE bildet. "Aber auch wenn man sensibilisiert ist, bedeutet das noch lange nicht, dass sich IgE irgendwann an Mastzellen bindet und Symptome auftreten", sagt Raulf.

Bei Peter Schmid-Grendelmeier, dem Leitenden Allergologen an der Uniklinik in Zürich, stellen sich regelmäßig Patienten mit Heuschnupfen oder allergischem Asthma vor, die Schimmelpilze als Auslöser ihrer Beschwerden vermuten. "Auch wenn solche Allergien eher durch Pollen, Katzen oder Hausstaubmilben als durch Schimmelpilze verursacht werden, mache ich Blut- und Hauttests, um sicherzugehen", sagt Schmid-Grendelmeier.

Ein weiteres Problem sei aber die Qualität der Tests. "Die heutigen Tests sind nicht verlässlich genug", sagt er. "Während wir bei anderen Allergien schon ganz spezifisch nachweisen können, gegen welches Eiweiß jemand allergisch ist, gibt es solche Tests bisher nur für einzelne Pilzarten." Bei anderen von Betroffenen häufig geschilderten Beschwerden wie Husten, Augentränen, Niesreiz, Müdigkeit oder Kopfschmerzen ist noch weniger nachgewiesen, dass sie wirklich durch Schimmel in der Wohnung hervorgerufen werden.

Auch eine durch Schimmelpilze verursachte Infektion (Mykose) zu bekommen, ist für gesunde Menschen sehr unwahrscheinlich. "Der Körper ist in der Lage, die Pilze abzuwehren. Menschen mit Immunschwäche müssen aber aufpassen", sagt Armin Schuster, stellvertretender Leiter der Wohnmedizin/Innenraumhygiene an der Uniklinik Freiburg.

Dies betrifft vor allem Menschen mit Krebs, insbesondere Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs, Knochenmark- oder Organtransplantierte und Menschen mit HIV oder einer anderen Immunschwäche. "Immer mehr Menschen sind durch Schimmelpilzinfekte gefährdet", sagt Schuster. "Es bekommen zum Beispiel viel mehr Leute eine Chemotherapie bei Krebs, die das Immunsystem schwächt. Außerdem werden die Menschen älter und erkranken häufiger an Krebs, und an HIV stirbt man heutzutage nicht mehr so schnell." Für diese Patienten kann es wirklich gefährlich sein, in einer verschimmelten Wohnung zu leben.

Auch wenn das Risiko für gesunde Menschen sehr gering ist: Der Schimmel muss weg aus der Wohnung, sind sich die Experten einig. Wenig Schimmel, also weniger als einen halben Quadratmeter, kann man selbst entfernen, wenn man nicht an chronischen Erkrankungen der Atemwege oder an Schimmelpilzallergie leidet oder eine Immunschwäche hat. Ansonsten ruft man besser den Fachmann. "Das wichtigste ist aber, den Pilzen die Lebensgrundlage zu entziehen, also Feuchtigkeit zu beseitigen", sagt der Umweltmediziner Wiesmüller, "sonst kommen sie immer wieder."

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