Wie gefährlich ist die E-Zigarette?:Nebulöse Wirkungen

Dampf einer elektronischen Zigarette

Kein Rauch, sondern Dampf kommt aus dem Mund dieses Rauchers - denn die E-Zigarette verbrennt keinen Tabak, sondern verdampft eine Flüssigkeit, die in den meisten Fällen Nikotin enthält.

(Foto: Frederic J. Brown/AFP)

Etwa zwei Millionen Deutsche greifen zur E-Zigarette. Damit stellt sich eine ganze Reihe von Fragen: Ist die E-Zigarette gesünder als die herkömmliche, schädigt sie Umstehende und ist sie überhaupt legal? Ein Überblick über den Stand der Erkenntnisse.

Berit Uhlmann

Die von einem chinesischen Tüftler erfundene E-Zigarette erfreut sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Auf mehr als drei Millionen schätzt der Handel die Zahl der Konsumenten. Was die Forschung über die E-Zigarette weiß.

Was ist drin in der E-Zigarette?

Die E-Zigarette verbrennt keinen Tabak, sondern verdampft eine Flüssigkeit, die in den meisten Fällen Nikotin enthält. Das verwendete Nikotin ist, wie auch in Nikotinpflastern und -kaugummis, pharmazeutisch rein.

Hauptbestandteil ist in den meisten Produkten Propylenglykol, das für den Dampfeffekt verantwortlich ist. Es ist der gleiche Stoff, der in Diskotheken oder Theatern aus der Nebelmaschine kommt. Häufig werden den elektronischen Glimmstängeln auch Aromen wie Menthol oder Vanille zugesetzt. Forscher der Universität San Diego zählten rund 7700 verschiedene Geschmacksrichtungen von Tiramisu bis Waldfrucht.

Es ist möglich, die Kartuschen selbst zu befüllen. Damit, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), haben die Konsumenten "nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zum Experimentieren" - und fügen dem Thema E-Zigarette eine weitere Unbekannte hinzu.

Wie schädlich ist der Konsum?

Mittlerweile gibt es hunderte Studien zur E-Zigarette und langsam schält sich der Eindruck heraus, dass viele der elektronischen Dampfgeräte weniger schädlich sind als die herkömmliche Zigarette. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Übersichtstudie aus dem Juni 2014, die den aktuellen Stand der Forschung zusammenfasst.

Thomas Hartung, Toxikologe an der amerikanischen Johns Hopkins Universität schätzt, dass die Gesundheitsrisiken der E-Dampfer insgesamt etwa zehn Mal niedriger liegen als die der normalen Raucher. Denn beim Verbrennen des Tabaks gelangen mehr als 4000 verschiedene Chemikalien, davon 90 krebserregende, in den Körper. Wie viele es bei der E-Zigarette sind, ist nicht ganz klar. In einigen E-Zigaretten hat man bereits Gifte wie Nitrosamine, Diethylenglykol und Formaldehyd gefunden. Es ist zudem fraglich, welche Chemikalien beim Verdampfen der Aromastoffe entstehen. Doch insgesamt dürften E-Dampfer deutlich weniger Schadstoffe zu sich nehmen.

Weniger schädlich heißt allerdings nicht harmlos. Auch E-Zigaretten enthalten in aller Regel Nikotin - einen Suchtstoff. Lungenärzte sind zudem über das Propylenglykol besorgt. Das Verneblungsmittel kann die Atemwege reizen. Wie sich das auf lange Sicht auswirkt, weiß niemand.

Gefährdet die E-Zigarette Passivraucher?

Da schon nicht eindeutig geklärt ist, wie schädlich das elektronische Dampfen für den Konsumenten ist, ist die Gefahr für Dritte noch schwerer abzuschätzen. Denn es kommt die Frage hinzu, wieviel der Inhaltsstoffe über den Dampf überhaupt abgegeben und verbreitet werden.

Für die E-Zigarette spricht, dass die gängigen Produkte nicht pausenlos vor sich hinnebeln, sondern den Dampf nur auf Knopfdruck freigeben. In die Umgebung gelangt nur, was der Dampfer ausatmet. Und dies scheint in vielen Fällen weniger Schadstoffe zu enthalten als normaler Zigarettenrauch.

Tunga Salthammer, Chemiker am Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Institut in Braunschweig, hat in einer Untersuchung festgestellt, "dass die durch den Konsum von E-Zigaretten in die Umgebungsluft freigesetzte Menge an vielen organischen Verbindungen geringer ist als die aus herkömmlichem Zigarettenqualm". Die Menge an Propylenglykol ist bei den elektronischen Zigaretten dagegen höher.

Ein weiterer Unterschied ist dem Experten zufolge die Beschaffenheit der Teilchen, wie er der SZ sagte: Die winzigen Teilchen im ausgeatmeten Dampf der E-Zigarette "lösen sich mit der Zeit auf und gehen in die Gasphase über. Die Partikel im Zigarettenrauch sind dagegen Feststoffe. Sie verbleiben als solche in der Luft oder lagern sich in der Umgebung ab".

Das BfR geht allerdings davon aus, dass Umstehende durch die Dämpfe gefährdet werden könnten. Das Institut verweist vor allem darauf, dass die Konsumenten mit den nachfüllbaren Kartuschen experimentierten und auch bedenkliche Substanzen verwenden könnten. Niemand kann damit wissen, was genau der E-Raucher neben ihm in die Luft bläst.

Gibt es verbindliche Standards bei der E-Zigarette?

Vor einiger Zeit explodierte einem US-Amerikaner eine E-Zigarette im Mund, er verlor durch die Detonation mehrere Zähne und ein Stück seiner Zunge. Es ist nicht klar, ob der Mann mit dem Dampfgerät experimentiert oder ein fehlerhaftes Fabrikat erwischt hat.

Dass die oft über das Internet angebotenen E-Zigaretten Mängel haben können, wurde allerdings hinlänglich festgestellt. So testeten Wissenschaftler der University of California Produkte von sechs unterschiedlichen Marken und hatten etliches zu beanstanden: Bestellungen wurden falsch ausgeliefert, der Nikotingehalt war unklar, Gebrauchsanleitungen waren falsch zugeordnet, die Kartuschen leckten, sodass nikotinhaltige Flüssigkeit auf die Hände der Nutzer oder ihre Umgebung tropfte.

Gesetzliche Vorgaben, was genau die E-Zigaretten enthalten dürfen und wie sie deklariert werden müssen, gibt es in Deutschland seit Mai 2016. Mit Verabschiedung dieser Gesetze - das neue Tabakerzeugnisgesetz (TabakErzG) und die Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie II (TPD2) - wurden erstmals regulatorische Maßnahmen für die Verbreitung von E-Zigaretten und eLiquids definiert.

Ist der Konsum und Verkauf legal?

In Australien, Brasilien, Dubai, Mexiko, Singapur und Thailand - zum Teil Länder mit sehr strenger Anti-Rauch-Politik - bestehen weitreichende Verbote für E-Zigaretten. In Deutschland sind Erwerb und Konsum ab dem 18. Lebensjahr erlaubt. Bei der Werbung gelten die gleichen Einschränkungen wie bei herkömmlichen Zigaretten. Die Verpackungen müssen, wie auch bei Tabak-Produkten, mit einem gesundheitsbezogenen Warnhinweis versehen sein.

Elektronische Zigaretten dürfen nur frei gehandelt werden, sofern die Flüssigkeit nur Inhaltsstoffe von hoher Reinheit enthält und, das Nikotin ausgenommen, kein Risiko für die Gesundheit darstellt. Der Nikotingehalt der Flüssigkeit muss unterhalb von 20 mg/ml liegen, das Volumen der Nachfüllbehälter darf zehn Milliliter nicht überschreiten.

Kann die E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung helfen?

Auch in dieser Frage fehlen hochwertige wissenschafliche Studien. Die Forscher der sehr strengen Cochrane Collaboration kamen Ende 2014 nach Sichtung aller Untersuchungen zu dem Schluss, dass die E-Zigarette wahrscheinlich helfen kann, von der Sucht loszukommen oder zumindest den Tabakkonsum zu reduzieren. Sie fanden Hinweise, dass die E-Zigarette etwa ebenso effektiv ist wie Nikotinpflaster.

Die Befürchtung, dass jene Abhängigen, die rauchen und dampfen, ihre Sucht zementieren, bestätigte sich den Studien zufolge nicht. Allerdings ist dies als vorläufiges Ergebnis zu werten.

Verführt die E-Zigarette Jugendliche zum Rauchen?

Viele Wissenschaftler befürchten, dass die fantasievollen Aromen gerade Jugendliche anziehen könnten. Auch dass die Dampfausrüstung als gesunde Alternative beworben wird, könnte Jugendlichen den Weg in die Sucht ebnen, befürchtet beispielsweise das Deutsche Krebsforschungszentrum. Aussagekräftige Studien fehlen aber in diesem Bereich.

© Süddeutsche.de/beu/mcs/ehr
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