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Werbung für "gesunde Nahrungsmittel":"Vieles ist noch ungeregelt"

Die jetzt zugelassenen 222 Angaben, die in Zukunft noch erweitert werden sollen, hat die EFSA auf der Grundlage der bisher bei ihr eingegangenen und positiv bewerteten wissenschaftlichen Nachweise einer Wirksamkeit von Vitaminen und Mineralstoffen zusammengestellt.

Dafür hatten die Fachleute etwa 44.000 Anträge von Unternehmen untersucht, die an die zuständigen Behörden der EU-Mitgliedstaaten übermittelt wurden.

Ob die Verordnung den gehofften Erfolg haben wird, hängt davon ab, ob die Verbraucher die Verpackungen genau genug studieren, und auf welche Kniffe die Lebensmittelindustrie noch kommt. Das Gerücht etwa, Joghurt sei besonders gesund, wenn er "probiotisch" ist, hält sich hartnäckig, auch wenn die Hersteller die behauptete Stärkung des Immunsysstems inzwischen mit zugesetzten Vitaminen rechtfertigen. Ein anderes Beispiel ist "Augen Extra" von Doppelherz. Hier betont der Hersteller, das Produkt enthalte Lutein und Zeaxanthin. Die Behauptung, diese Stoffe würden helfen, die Sehkraft zu erhalten, ist nicht erlaubt. Anders ist es mit den ebenfalls enthaltenen Stoffen Vitamin A und Zink. Doch der Eindruck der Verbraucher ist natürlich, dass alle diese Substanzen der Gesundheit auf diese Weise zuträglich sind.

"Zwar wurde mit der jetzigen Positivliste dem Wildwuchs an unbewiesenen Aussagen Einhalt geboten", stellt die Verbraucherzentrale Hamburg fest, "doch vieles ist noch ungeregelt". So gebe es beispielsweise weiterhin keine Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Lebensmitteln, so dass die Gefahr einer Überdosierung besteht. Denn Verbraucher seien damit überfordert, einzuschätzen, ob das eigene Essverhalten zu einer ausreichenden Versorgung führt. Außerdem müssen die Fachleute noch etwa 2000 Angaben zu pflanzlichen Stoffen wie Artischockenextrakt oder Polyphenolen und etwa 200 anderen, darunter auch Mikroorganismen, bewerten.

Und das Wichtigste stehe noch aus, erklären die Verbraucherschützer: "Die Festlegung der sogenannten Nährwertprofile, damit Zucker und Fettfallen nicht durch Zusatz billiger Vitamine zu 'Gesundheitsprodukten' mutieren".

Wer mit Hilfe der Nahrung etwas Gutes für seine Gesundheit tun will, sollte sich schlicht und einfach ausgewogen ernähren. Denn für spezielle Gesundheitsnahrung gilt im Prinzip das, was Helmut Heseker, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kürzlich über Vitaminpillen gesagt hat: "Ernährungsfehler lassen sich durch sie nicht ausgleichen."

© Süddeutsche.de/sekr/lala
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